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Security

Microsoft Office 2007 flüstert übers Netz

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Microsofts neue Bürosuite holt sich viele Daten aus dem Web, und insgeheim versendet sie auch Nachrichten an einen Marktforscher. Schon im November vergangenen Jahres berichtete c't, dass Office 2007 spontan im Web nachschlägt, wenn sich der Anwender mit PowerPoint-Stilelementen, ClipArts oder auch nur mit der Online-Hilfe befasst. Diese macht ihrem Namen dabei alle Ehre, denn mit den Anleitungen von der Festplatte gibt sie sich nur zufrieden, wenn der Weg ins Internet versperrt ist, ansonsten holt sie ausführlichere Texte vom Microsoft-Server.

Nun musste das Softwarehaus zugeben, dass der Klick auf den Hilfe-Button noch mehr Informationen auf die Reise schickt: Im gleichen Atemzug sendet Office nämlich offenbar auch ein Cookie an das Marktforschungsunternehmen Webtrends. Dabei scheint eine ungewöhnliche Technik zum Einsatz zu kommen: Üblicherweise veranlasst der Besuch einer Webseite den adressierten Server dazu, dem Client ein Cookie zum Download anzubieten, dessen Inhalt er sich bei einem späteren Besuch wieder zurückschicken lassen kann – vorausgesetzt, der Anwender hat seinem Browser das Mitspielen an solchen Informationstransfers nicht verboten. Hier allerdings sind die Kontrollmechanismen des Browsers anscheinend gar nicht gefragt, denn offenbar schickt das Office-Programm auf eigene Initiative ein Cookie vom Client-Rechner an eine vorgegebene Webadresse.

"Darin verstecken sich keine Personendaten", beschwichtigt Microsoft-Pressesprecher Thomas Baumgärtner gegenüber heise online, "das dient nur der Ergonomie". Microsoft gibt an, mit den Cookies den Web-Verkehr auf den Hilfeseiten zu analysieren, was zur Optimierung der Online-Hilfe beitrage. Ein Körnchen Wahrheit muss dran sein: Tatsächlich kann man erkennen, dass Texte, die nur selten zum Abbrechen einer Hilfe-Recherche führen, zügig verbessert werden.

Doch andererseits ist nur allzu leicht vorstellbar, dass sich der anscheinend selbst generierte numerische Code, den etwa Word an Webtrends schickt, mit dem Lizenzschlüssel des aussendenden Office korrelieren lässt und damit auch weitere Schlüsse über den Anwender ermöglicht. Auch akribisches Nachlesen in der Microsoft Datenschutzerklärung für Office 2007 trägt kaum zur anschließenden Gemütsberuhigung bei – zu unkonkret sind die dortigen Angaben über Ausmaß und Nutzung eventuell personenbezogener Informationen durch Microsoft. Der Konzern ist gut beraten, den Sachverhalt möglichst schnell und rigoros aufzuklären. (hps)