Neue Diskussion über Finanzierung des Tor-Projektes

Die Tatsache, dass die Entwicklung des Anonymisierungs-Tools Tor zu einem Großteil von der US-Regierung finanziert wird, wirft erneut Fragen auf. Könnten etwa unbemerkte Hintertüren der NSA Nutzer enttarnen?

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  • Fabian A. Scherschel

Nach Bekanntwerden der Nachricht, dass die NSA Verschlüsselungstechniken unterwandert und mit Hintertüren spickt, ist die Diskussion über die Finanzierung des Anonymisierungs-Tools Tor erneut entbrannt. Nachdem ursprünglich die US-Marine das Open-Source-Projekt in seiner Anfangszeit mitentwickelte, trug im letzten Jahr ungefähr 60 Prozent des Entwicklungsbudgets das US-Verteidigunsministerium und andere Teile der US-Regierung. Im Licht der NSA-Affäre werden gerade in diesen Tagen allerdings viele als sicher geglaubten Krypto- und Anonymisierungstechniken erneut durchleuchtet und hinterfragt.

Da die US-Marine dem Verteidigunsministerium ebenso untersteht wie der Geheimdienst NSA, steht nun die Frage im Raum, ob Tor noch als sicher gelten kann. So fragt auch die Washington Post öffentlich, ob Nutzer dem Tor-Projekt noch trauen können. Die Zeitung zitiert den Direktor des Projekts, Andrew Lewman, der Tor nach wie vor für sicher hält. Dass das Projekt Geld von der Regierung bekäme, ändere dies nicht, so Lewman. Man kollaboriere nicht mit der NSA. Es gäbe in der US-Regierung nach wie vor Stellen, die daran interessiert seien, dass es auch in Zukunft starke Anonymität im Internet gäbe. Auch Tor-Mitbegründer Roger Dingledine ist der Ansicht, dass das Geld der Regierung eher einer Forschungsbeihilfe gleichkäme. Der Quellcode der Software, die das Tor-Projekt herausgebe, sei öffentlich, nichts sei verborgen.

Offene Quellen allein sind aber keine Garantie, dass eine Hintertür im Code ausgeschlossen ist und dass die NSA nicht trotzdem versucht, Lücken einzuschleusen. Der NIST-Standard, den der Geheimdienst nach eigenen Vorstellungen mit einer Backdoor versah war schließlich auch offen und für jeden einsehbar. Ob die NSA eine Hintertür in Tor überhaupt zwingend benötigt, ist auf Grund der neuesten Erkenntnisse über die Angreifbarkeit des Anonymisierungs-Tools ohnehin fraglich. Ein Forscher-Team kam zu dem Schluss, dass ein Gegenspieler vom Format der NSA auch ohne gezielt eingebrachte Lücken relativ gut in der Lage sei, Nutzer gezielt zu enttarnen. (fab)