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Security

Pentagon-Forschungsarm will mit der Blockchain Militärsysteme absichern

Die DARPA lässt für 1,8 Millionen US-Dollar eine Sicherheitstechnologie prüfen, die auf dem dezentralen Datenbankregister Blockchain basiert und künftig Raketen oder Satelliten abschirmen könnte.

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(Bild: DARPA)

Nach der Finanzwelt nimmt nun auch das US-Militär die verteilte und vielfach gehypte Datenbank Blockchain ins Visier. Die Pentagon-Forschungsagentur DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) will mit der Basistechnik für Kryptowährungen wie Bitcoin gegebenenfalls Atomraketen, Überwachungssatelliten oder Flugzeugsteuerungen vor Hackern schützen. Sie hat dazu jüngst einen Auftrag in Höhe von 1,8 Millionen US-Dollar vergeben, mit dem die korrekte Funktionsweise einer kryptografischen IT-Sicherheitslösung überprüft werden soll, die auf dem Blockchain-Verfahren aufbaut.

Blockchain in der KSI-Variante

Die US-Firma Galois, die sich auf die formale Verifikation von Software mithilfe mathematischer Logik spezialisiert hat, soll demnach die hashbasierte Verschlüsselungstechnik "Keyless Signature Infrastructure" (KSI) des noch vergleichsweise jungen Unternehmens Guardtime auf die Probe stellen. Die Sicherheitsfirma hat ihre Wurzeln in Europa, inzwischen aber auch eine Niederlassung in Kalifornien.

Eine Blockchain funktioniert wie ein elektronisches Kassenregister oder eine digitale Notarrolle. Sie ermöglicht es, Einträge in einer dezentralen Datenbank mithilfe kryptografischer Prüfsummen vor nachträglichen Manipulationen zu sichern und beweisfest zu speichern. Das KSI-Verfahren vermeidet nach Angaben von Guardtime einige Schwächen klassischer Blockchain-Anwendungen, indem es etwa besser skalierbar ist und einen "formalen mathematischen Beweis erbringt", dass ein eingesetztes Protokoll genau das tut, was es vorgibt zu leisten.

Staatlich unterstützte Cyberangreifer versuchen, ihre Spuren möglichst gewissenhaft zu beseitigen. Das Gemeinschaftsprojekt von Galois und Guardtime ziele daher darauf, mit KSI oder vergleichbaren Verfahren solche Attacken aufzudecken und die fortlaufende Integrität eines Systems zu attestieren.

Bei Atomwaffen ist die Datenintegrität besonders wichtig

Timothy Booher, der Leiter des Blockchain-Programms der DARPA, erläuterte gegenüber dem Online-Magazin "Quartz", dass die verteilte Datenbanktechnik sich gut für neue Sicherheitslösungen für militärische Systeme eignen könne. Immer wenn Waffen eingesetzt werden, "spielt die Datenintegrität eine unglaublich wichtige Rolle", konstatierte der Wissenschaftler. Es gehe dabei schließlich über das Kommando und die Kontrolle etwa von Nuklearsprengstoff oder Satelliten.

Mit der Blockchain verfolgt die DARPA laut Booher die Philosophie, dass es wichtiger ist in Erfahrung zu bringen, ob jemand in ein System eingedrungen sei und was er dort mache, als einen Einbruch von vornherein zu verhindern. Man könne schließlich auch um eine Burg herum nicht unendlich Mauern errichten, die sämtliche Angreifer auf Dauer abwehrten.

Sollte das Verifizierungsprojekt gut laufen, werde man sicher "eine ganze Reihe von Anwendungen" von Blockchain-Techniken im militärischem Umfeld ausloten, erklärte Booher. Die Aussicht auf den Blockchain-Einsatz durch das Pentagon, um kritische Infrastrukturen abzusichern, dürfte generell ein erhöhtes Interesse an der Technologie außerhalb des Finanzsektors auslösen. David Hamilton, Chef von Guardtime in den USA, wittert in dem Test im Hinblick auf die zu erfüllenden Bedürfnisse der nationalen Sicherheit jedenfalls bereits eine "riesige Chance" auch für alle anderen Kunden der Firma und mögliche Neuinteressenten. (Stefan Krempl) / (fab)