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Security

Russische Jugendorganisation will Cyber-Attacken auf Estland verübt haben

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Ein Funktionär der inzwischen weitgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwundenen russischen Jugendorganisation Naschi ("Die Unsrigen") hat sich gegenüber dem Moskau-Korrespondenten der Financial Times (FT) selbst als Drahtzieher der Cyber-Attacken auf Estland im April 2007 bezichtigt. Während eines Konflikts mit Moskau um ein Denkmal für Soldaten der Roten Armee in der einstigen Sowjetrepublik war die IT-Infrastruktur des Landes durch groß angelegte DDoS-Attacken weitgehend lahmgelegt worden. "Ich würde das aber nicht als Cyber-Angriff bezeichnen – das war Cyber-Verteidigung", zitiert die Financial Times den Naschi-Funktionär Konstantin Goloskokov.

"Wir haben dem estnischen Regime klar gemacht, dass wir entsprechend reagieren, wenn sie rechtswidrig handeln", brüstet sich Goloskokov gegenüber der FT. Illegales habe man selbst aber nicht angestellt. "Wir haben nur ein paar Seiten immer wieder besucht, und dann funktionierten sie nicht mehr." Die Esten seien an der Misere selbst Schuld gewesen, führt Goloskokov weiter aus, weil ihre technischen Fähigkeiten zur Bewältigung des Traffics begrenzt gewesen seien. Während der Angriffe auf die IT-Netze von Estland vor zwei Jahren war das Land vom weltweiten Internet so gut wie abgeschnitten, Regierungsseiten und Web-Auftritte von Banken innerhalb Estlands waren nicht mehr erreichbar.

Anweisungen der Regierung habe es nicht gegeben, beteuert Goloskokov. "Alles beruhte auf unserer eigenen Initiative." Die Jugendorganisation Naschi war im Jahr 2005 auf Betreiben der russischen Staatsführung gegründet worden. Ziel war die Unterstützung des politischen Kurses der Partei Einiges Russland von Staatspräsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin. Aktiv wurde Naschi unter anderem bei den letzten Duma- und Präsidentschaftswahlen; im Konflikt mit Estland blockierten die Mitglieder die estnische Botschaft in Moskau. Im vergangenen Jahr wurde die finanzielle Unterstützung der Organisation allerdings drastisch reduziert. Auch im Land kam Kritik am aggressiv-nationalistischen Auftreten von Naschi auf, das die Beziehungen zum Westen belastet. (pmz)