Schallplatte als Wallet für Bitcoins und andere Kryptowährungen

Nicht nur Papier kann als Offline-Speicher für Bitcoins & Co. genutzt werden: Sound Wallet versteckt einen verschlüsselten Private Key in Rauschen und macht eine Schallplatte draus.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 23 Beiträge
Von
  • Daniel AJ Sokolov

Analoge Offline-Varianten von Brieftaschen (Wallets) für Bitcoin und andere Kryptowährungen haben sich auf Papier etabliert. Dort werden der private Schlüssel, sowie der dazu passende öffentliche Schlüssel (Adresse) notiert, unter dem die Coins gespeichert sind. Solange der private Schlüssel nirgends anders vermerkt ist, kann nur der Inhaber des Wallets über das Guthaben verfügen. Sogar hölzerne Modelle gibt es. Der neueste Schrei ist, die Daten unsichtbar, aber trotzdem analog und offline zu notieren: Auf einer rauschenden Schallplatte.

Die Kryptowallet zum Anhören.

(Bild: Soundwallet)

Sound Wallet ist der passende Name dafür. Die Idee dazu wurde zunächst im Forum Bitcointalk vorgestellt, der Versuch eines Crowdfundings verfehlte jedoch sein Ziel deutlich. Inzwischen bietet der Macher Theodore Goodman aber die Herstellung der Schallplatte als handgeschnittenes Einzelstück an. Dafür verrechnet er 0,09 Bitcoins, weltweiter Versand inbegriffen.

Der Kunde muss dafür noch seinen privaten Schlüssel mit dem kryptografischen Protokoll BIP38 passwortgeschützt verschlüsseln und in dieser Form übermitteln. Zur Verschlüsselung kann zum Beispiel das Tool Bit2Factor genutzt werden. Die Verschlüsselung ist nötig, weil der private Schlüssel den Besitz des Guthabens nachweist und daher niemals direkt in fremde Hände gegeben werden sollte.

Sound Wallet wandelt ein Bild dieser Zeichenfolge in Geräusche um, die für menschliche Ohren wie weißes Rauschen klingen. Dieses Rauschen wird auf die Schallplatte geschnitten. Alternativ zur Polycarbonat-Schallplatte (7 Zoll) kann das Rauschen auch als .WAV-Datei (freie Spende) oder auf CD (0,015 Bitcoin) gespeichert werden. Das ist dann natürlich weder analog noch hat es den selben Kult-Faktor.

Mit einem Spektrometer kann das Bild des BIP38-verschlüsselten privaten Schlüssels aus dem Rauschen rekonstruiert werden. Das erledigt beispielsweise die Android-App AndroSpectro oder, passend eingestellt, die Audiosoftware Audacity. Wer dann noch das Passwort weiß, um die BIP38-Verschlüsselung aufzulösen, sollte über die Bitcoins verfügen können.

So sieht die Rekonstruktion auf einem Smartphone aus.

Die Wiedergabe dauert eine halbe bis eine ganze Minute. Auf einer vom Blogger object 2212 bestellten Schallplatte folgte nach dem Rauschen elektronische Musik. Wer nicht weiß, wonach er sucht, wird die Scheibe für eine obskure Musikplatte halten.

Theo Goodman erklärt, wie man selbst ein Sound Wallet in .WAV-Form erstellen kann.

(ds)