Sicherheit im Internet: Auf dem Weg zum aufgeklärten Anwender

Obwohl sich die verschiedenen Organisationen, die zum "Safer Internet Day" beim BSI diskutierten, auf dem richtigen Weg wähnen, sehen sie doch nur wenige Fortschritte auf dem Weg zu einem sicheren Internet.

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Am Vortag des heutigen Safer Internet Day hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nach Bonn eingeladen, um über die Internetsicherheit und Aufklärung der Nutzer zu diskutieren. Obwohl sich die verschiedenen Organisationen auf dem richtigen Weg wähnen, sehen sie nur wenige Fortschritte auf dem Weg zu einem sicheren Internet.

Stefan Grosse vom Bundesinnenministerium zog eine ernüchternde Bilanz der Aufklärungsbemühungen: "Die Nutzer sind immer noch weit weg von dem, was wir uns vorstellen." Die fortschreitende Verbreitung von Spam und Schadprogrammen führt er auch auf eine neue Qualität der Angriffe zurück. Mittlerweile sei die organisierte Kriminalität durchweg im Online-Bereich tätig. Hinzu kämen weitere Faktoren: "Monokulturen haben noch nie etwas für die Sicherheit gebracht", sagte Grosse. Die Hersteller sollten deutlich mehr in die Pflicht genommen werden, um für Computersicherheit zu sorgen. Wenn der durchschnittliche Bürger nicht in der Lage sei, eine Firewall zu administrieren, sei das nicht unbedingt die Schuld des Anwenders.

Das BSI selbst sieht sich auf dem richtigen Weg. Beim Workshop in Bonn feierte das Amt gleich den fünften Geburtstag des Angebots BSI für Bürger, mit dem das Amt Privatanwender über die Gefahren im Internet aufklären will. Als Erfolg des BSI wertet Referatsleiterin Anja Hartmann das Ergebnis einer Umfrage, wonach sich 83 Prozent der Anwender über Sicherheitsfragen informiert fühlen. Allerdings fühlen sich nur 41,4 Prozent gut informiert, dieser Wert ist in den letzten Jahren sogar zurückgegangen.

Angesichts dieser Zahlen stellt sich für die Öffentlichkeitsarbeiter in Sachen Computer-Sicherheit die Sinnfrage: Einigkeit herrschte auf dem Workshop darüber, dass Aufklärung alleine keine Lösung des Problems bieten könne. So war immer wieder die Forderung zu hören, Software-Hersteller und Online-Dienste-Anbieter sollten ihre Produkte sicherer und einfacher bedienbar machen. Der Appell verhallte allerdings ohne Resonanz – die Hersteller waren zu dem Workshop nicht angereist.

Michael Bobrowski vom Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv sieht die Gefahren für den Verbraucher vielfältiger. Nicht nur Viren und Würmer müssten bekämpft werden, auch gegen Abmahnungen gegen Gelegenheitshändler bei eBay, gegen undurchsichtige Vertragsklauseln oder gegen teure Abmahnungen bei simplen Urheberrechtsverstößen gelte es vorzugehen. Der Gesetzgeber habe die Lage allerdings verschlechtert: "Die IT-Sicherheit wird nicht durch die unverhältnismäßige Überwachung aller Bürger geschärft – im Gegenteil", sagte Bobrowski im Hinblick auf die Vorratsdatenspeicherung.

Zumindest in einem Punkt will die Politik den Verbraucherschützern entgegenkommen. So sprach Rainer Metz vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über Pläne, Internet-Abzockern das Leben schwerer zu machen. Es gebe es im Ministerium Vorhaben, kostenpflichtige Internet-Dienste transparenter zu machen: Künftig sollen Anbieter solcher Dienste verpflichtet werden, vor Vertragsabschluss nochmal explizit auf entstehende Kosten aufmerksam zu machen.

Für einen neuen Weg in der Nutzeraufklärung plädierte Werner Degenhardt, Psychologe von der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität. "IT-Sicherheit kann man nicht verkaufen wie Joghurt", sagte Degenhardt. Man könne den Nutzern noch so viel Wissen über die Gefahren vermitteln – das alleine sorge für keine Verhaltensänderung. So berichtete er über Anwender, die ungerührt Trojaner auf ihrem Rechner laufen lassen, sofern sie nicht den Betrieb des Rechners selbst behindern. Wenn diesen Nutzern beispielsweise der Internetzugang gesperrt werde, würden sie sich bemühen, ihren Rechner von Schadprogrammen zu befreien. Die Initiativen dürften sich daher nicht darauf beschränken, Wissen zu vermitteln – notwendig sei ein Anreizsystem, das den Nutzer auch für richtiges Verhalten belohne und falsches Verhalten abstrafe.

Auf etwas plakativere Aktionen setzt die Organisation Klicksafe, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen. Programm-Koordinator Peter Behrens zog in Bonn eine positive Bilanz der eigenen Arbeit. Besonders erfolgreich sei der Werbespot "Wo ist Klaus" gewesen, der auf die Gefahren für Kinder im Internet aufmerksam machen will. Der Spot sei pro bono erstellt worden, alleine die RTL-Gruppe habe Werbezeiten im Gegenwert von fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um die Aktion zu unterstützen. Mit dieser Strategie will die aus EU-Mitteln finanzierte Organisation weitermachen. Behrens präsentierte Bonn zwei neue Werbespots, mit denen Klicksafe die Computernutzer erreichen will.

Dabei setzt Klicksafe durchaus auch auf Schock-Effekte: So zeigt einer der Spots ein zirka 10-jähriges Mädchen, das seine Hand auf eine heiße Herdplatte legt und eine halbe Minute nicht mehr wegzieht. Die Botschaft: Kinder bemerken es nicht, wenn sie sich im Internet gefährden. Ob und wie der Spot in der Öffentlichkeit zu sehen sein wird, ist laut Behrens aber noch unklar – einige Fernsehsender hätten sich geweigert, diesen Spot auszustrahlen. (Torsten Kleinz) / (jk)