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Security

Sicherheitsmängel bei Schweizer E-Pass-System

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Das Lesesystem für den Schweizer E-Pass ist laut einem Testbericht des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) nicht abhörsicher. Experten des Bakom ist es offenbar gelungen, die vom Chip des E-Passes an zwei getestete Lesegeräte übertragenen Daten abzufangen. In dem bisher unveröffentlichten Testbericht weist das Bakom auf "mehrere Sicherheitsmängel" hin, berichtet der Schweizer Tages-Anzeiger am heutigen Montag. Das System soll jetzt auf Empfehlung des Bakom modifiziert werden.

Den Bakom-Testern ist es dem Bericht zufolge gelungen, den Leservorgang mit einem einfachen Empfänger aus der Distanz mitzuschneiden. Unter "idealen Bedingungen" sei das aus einer Entfernung von bis zu 25 Meter möglich, lautet das Fazit des Bakom. Der so gewonnene Datenstrom könne gespeichert und offline weiter bearbeitet werden. Darüber hinaus sollen die Lesesysteme die Daten auch "ungewollt" über das Stromnetz leiten und sie dort auch aus deutlich höheren Entfernungen von über 500 Metern abgegriffen werden können.

Das Schweizer Bundesamt für Polizei (Fedpol), das die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte, betonte laut Tages-Anzeiger, dass die abgegriffenen Daten immer noch verschlüsselt seien. Das Fedpol wolle dennoch Konsequenzen ziehen und auf Empfehlung des Bakom die Lesegeräte mit Filtern nachrüsten, die das Mitschneiden der Daten über Funk oder das Stromnetz erschweren.

In der Schweiz werden seit 2006 im Rahmen eines Pilotprojekts auf freiwilliger Basis Pässe mit einem Chip ausgegeben, auf denen biometrische Merkmale des Passinhabers gespeichert sind. Nach dem zum Jahreswechsel erfolgten Beitritt der Schweiz zum Schengen-Abkommen sollen künftig alle Schweizer Bürger einen neuen E-Pass bekommen. Das letzte Wort darüber haben die Bürger: Über die obligatorische Einführung des Personaldokuments sollen wahlberechtigte Schweizer am 17. Mai in einem Referendum abstimmen.

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(Volker Briegleb) / (vbr)