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Security

"Snowden-Effekt" pusht Verkäufe von abhörsicheren Smartphones

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Die Enthüllungen von Edward Snowden haben den Herstellern von abhörsicheren Smartphones wie Secusmart viele Bestellungen eingebracht. Wie Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle gegenüber der dpa berichtete, hätten wenige Tage nach Verkaufsstart 23 Behörden über 1200 Geräte geordert. Man spricht vom Snowden-Effekt. Das Interesse an Secusmart-Geräten sei außerdem nicht nur in Deutschland groß. Inzwischen testeten mehrere weitere europäische Länder die Technik. Auch aus der Wirtschaft kämen mehr Aufträge.

Für Blackberry dürfte das bitter sein. Während das Unternehmen um sein Überleben kämpft, feiert die Lösung von Secusmart, die auf einem Touchscreen-Blackberry Z10 basiert, Erfolge. Quelle geht davon aus, dass es der deutschen Krypto-Industrie jetzt besser gehen wird. "Der Snowden-Effekt wird mittelfristig auch dem Geschäft mit Sprachverschlüsselung einen Schub geben."

Die aktuelle Diskussion um die Zukunft von Blackberry sei allerdings "wenig hilfreich", räumte Quelle ein. Er gehe aber davon aus, dass Blackberry zumindest als Anbieter geschäftlicher Kommunikation weiter existieren werde: "In unserer Nische sehe ich keine Probleme." Die Secusmart-Lösung sei zwar auch auf Android-Smartphones einsetzbar, das Blackberry biete aber angesichts der Zusammenarbeit eine besonders bequeme Bedienung.

Deutsche Behörden haben die Wahl bei abhörsicheren Smartphones. Neben dem Gerät von Secusmart und Blackberry bietet auch die Deutsche Telekom unter der Bezeichnung "SiMKo 3" ein Smartphone auf Basis des Samsung Galaxy S3 an. Beide Geräte wurden im März auf der CeBIT vorgestellt. Die Technik ist für die Geheimhaltungsstufe "Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch" zugelassen. Die Münchner Firma Giesecke & Devrient bietet seit Mai ebenfalls das Samsung Galaxy S3 als Krypto-Phone an.

Noch im März hieß es, dass Ministerien und Bundesbehörden Secusmart und der deutschen Telekom den Zuschlag für einen "Rahmenvertrag über Lieferung, Installation und Betrieb eines Systems für die sichere mobile Kommunikation" erteilt hätten. Laut der Wirtschaftswoche sollten die beiden Anbieter Geheimnisträger aus Ministerien und Bundesbehörden ab Mitte des Jahres mit ingesamt 10.000 Handys ausstatten. Ob die von Secusmart erwähnten 1200 Geräte Teil dieses Deals sind oder zusätzlich angefordert wurden, ist bisher nicht bekannt. (Mit Material der dpa) / (kbe)