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Security

Spam-Mails drohen mit Betrugsanzeige und "Vollstreckung"

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Ein Kunde der Sparkasse Koblenz hat offenbar den Unmut ungemütlicher Zeitgenossen auf sich gezogen. Seit Tagen ist eine Spam-Mail im Umlauf, die den Empfänger unter Androhung von "Vollstreckungsmaßnahmen" und Schufa-Eintrag zur Überweisung einer angeblich für die Nutzung von Erotikangeboten fälligen Summe auf ein Konto der Koblenzer Sparkasse auffordert.

In den Mails wird behauptet, dass der Adressat einen bestimmten "Erwachsenenservice" im Internet nutze, die dafür fälligen Gebühren aber nicht entrichtet habe. Der "gerichtliche Streitwert inklusive Zinsen" belaufe sich bereits auf einen fünf- bis sechsstelligen Betrag. Um "gerichtliche Vollstreckungsmaßnahmen", eine Betrugsanzeige und einen Schufa-Eintrag abzuwenden, solle eine Zahlung von 49 Euro auf das genannte Konto erfolgen. Nach Einschätzung des Kreditinstituts ist das eigentliche Ziel der Spam-Welle, dem Inhaber des genannten Kontos zu schaden – ein so genannter "Joe Job".

Die Sparkasse teilte heise online auf Anfrage mit, dass der Kontoinhaber bereits Anzeige erstattet habe. Daneben gäbe es Strafanzeigen wegen versuchten Betrugs von Mailempfängern in ganz Europa. Das Geldinstitut glaubt nicht, dass der Kunde der Urheber der Mails sei; man müsse schon extrem dumm sein, um solch plumpe Betrugsversuche zu starten. Entsprechend geht die Sparkasse Koblenz davon aus, dass ihr Kunde möglicherweise erhaltene Zahlungen erstattet, schon um nicht unter Bereicherungsverdacht zu geraten. Allgemein hätten Banken in solchen Fällen keine Handhabe, Konten zu sperren. Auch eine Unterscheidung von rechtmäßigen und unrechtmäßigen Zahlungen sei einem Geldinstitut nicht möglich.

Über 400 einschlägige Mails sind am 14. und 15. April alleine von den Systemen des österreichischen Security-Spezialisten Ikarus registriert worden. Vorgestern begann eine zweite Welle mit leicht geändertem Text. Zum Versand werden Bot-Netze genutzt. Das von vielen ISP eingesetzte Greylisting dürfte die Verbreitung deutlich reduziert haben. "Viele User, die einschlägige Webseiten aufrufen, möchten nicht, dass das öffentlich wird", sagte Ikarus-CEO Joe Pichlmayr, "einige werden dem Druck nachgeben und bezahlen." (Daniel AJ Sokolov) / (Daniel AJ Sokolov) / (vbr)