Spanische Polizei: Entwickler des BKA-Trojaners festgenommen

In Dubai ist der mutmaßliche Entwickler des BKA-Trojaners festgenommen worden. Außerdem hat die spanische Polizei insgesamt 10 Tatverdächtige festgenommen, die mit der Software rund eine Million Euro erpresst haben sollen.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 158 Beiträge
Von
  • Martin Holland

Der mutmaßliche Entwickler des BKA-Trojaners ist in Dubai festgenommen worden, 10 weitere angebliche Hintermänner des Online-Betrugs wurden in Spanien verhaftet. Das teilte das Nationale Polizeikorps Spaniens am gestrigen Mittwoch mit. Demnach handelt es sich bei dem Verantwortlichen für die Technik des Trojaners um einen 27-jährigen Russen, der sich auch um die Verbreitung der Software gekümmert hat. Die den Spaniern ins Netz gegangene Gruppe, bestehend aus sechs russischen, zwei ukrainischen und zwei georgischen Staatsbürgern habe mit dem Trojaner jährlich etwa eine Million Euro gesammelt.

Der spanische Innenstaatssekretär Francisco Martínez und Europol-Direktor Rob Wainwright bei der Bekanntgabe der Hintergründe

(Bild: Ministerio del Interior)

Im Rahmen der Operation "Ransom" hatte die Polizei mit den internationalen Behörden Europol und Interpol zusammengearbeitet. Der mutmaßliche Entwickler des Trojaners ist laut dpa bereits im Dezember während eines Urlaubs in Dubai festgenommen worden und soll nach Spanien ausgeliefert werden. Dort habe man nun, einhergehend mit den Festnahmen sechs Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei sei Equipment beschlagnahmt worden, das die Gruppe für ihre kriminellen Machenschaften genutzt habe.

Neben der Technik habe man außerdem Materialien sichergestellt, mit denen die Gruppe an das gezahlte Geld kam, so die Polizei weiter. Darunter etwa die Kreditkarten, die für die Auszahlung der erpressten Lösegelder an die Dienste Ukash, Paysafecard und MoneyPak genutzt wurden. Mit weiteren rund 200 Kreditkarten hätten die Verdächtigen kurz vor der Festnahme 26.000 Euro abgebucht, die nach Russland geschickt werden sollten. Die Gruppe habe das Geld über verschiedene Wege gewaschen, darunter auch über Portale für Onlinespiele oder virtuelle Währungen. Am Ende sei das Geld immer nach Russland gegangen.

Eine Version des in Spanien zum Einsatz gekommenen BKA-Trojaners

(Bild: Ministerio del Interior)

Der BKA-Trojaner, in Spanien bekannt als "el virus de la Policía", blockiert den Rechner des Betroffenen und verlangt die Zahlung einer Geldstrafe, damit der Rechner wieder freigegeben wird. Allein in Spanien seien seit Mai 2011, als der Trojaner zum ersten Mal in dem Land auftauchte, mehr als 1200 Anzeigen eingegangen; in Deutschland erklärte die ermittelnde Staatsanwaltschaft Göttingen bereits 2012, dass über 20.000 Strafanzeigen gestellt wurden. Die Dunkelziffer sei aber sicher weit höher. Weltweit, so schätzt die spanische Polizei, seien Millionen Rechner infiziert worden.

Die Gefahr durch den BKA-Trojaner dürfte mit diesem Schlag jedoch nicht beendet sein. Das lukrative Geschäftsmodell wurde von vielen Banden aufgegriffen und bereits 2012 wurde ein Bausatz für die Software im Untergrund gehandelt. Auch die spanische Polizei verweist darauf, dass die Gruppe, die ihren Sitz an der Costa del Sol hatte, nur eine von mehreren sei. (mho)