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Security

Spionage: So hörten die Sowjets Schreibmaschinen ab

Der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag will zur Schreibmaschine greifen, um der Überwachung zu entgehen. Ein NSA-Dokument belegt eindrucksvoll, warum das keine gute Idee ist.

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Nach den Enthüllungen der diversen US-Spionageaktivitäten erwägt der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag, auf mechanische Schreibmaschinen umzusteigen. Der Versuch, eine Überwachung des Gremiums zu erschweren, könnte allerdings nach hinten losgehen: Auch Schreibmaschinen sind in der Vergangenheit Opfer von Spähangriffen geworden. Ein NSA-Dokument aus dem Jahr 2007 zeigt anschaulich, wie sowjetische Geheimdienste die Schreibmaschinen der US-Botschaft in Moskau bereits in den 1970er Jahren verwanzt hatten.

Von den Sowjets verwanzt: Die IBM Selectric II

(Bild: Wikimedia Commons/Etan J. Tal/CC-BY 3.0 )

Nachdem die NSA 1983 von befreundeten Diensten Hinweise auf mögliche Wanzen in Bürogeräten erhalten hatte, begann Project GUNMAN mit der gezielten Untersuchung der Schreibmaschinen in der US-Botschaft in Moskau. In den verschiedenen Modellen der elektrischen Kugelschreibmaschinen vom Typ IBM Selectric fanden die NSA-Experten ausgefeilte Abhörmechanismen, die das Geschriebene nahezu zeitgleich per Funk weitergaben.

Dabei machten sich die sowjetischen Agenten die Funktionsweise der Selectric zunutze: Um die jeweils gewünschte Letter auf das Papier zu bringen, übersetzt ein Gestänge die Tastatureingabe in die entsprechende Neigung und Rotation der Kugel. Die Sowjets tauschten das metallene Gestänge durch nichtmagnetisches Material aus und brachten starke kleine Magneten an den Endpunkten der Stangen an. Ein Magnetometer registrierte dann die für jeden Buchstaben typischen Veränderungen im Magnetfeld.

Die Sowjet-Agenten machten sich die Funktionsweise der Selectric zunutze.

Eine in einer hohlen Metallleiste verborgene Schaltung übersetzten die magnetischen Daten in 4-Bit-Buchstaben, die ein Sender auf einer Fernsehfrequenz an den draußen wartenden Empfänger schickte. Die Schaltkreise konnten bis zu acht dieser 4-Bit-Buchstaben speichern. Wenn der Speicher voll war, wurden die Daten gesendet. Die Stromversorgung erfolgte je nach Typ der Schreibmaschine über die Netzspannung oder die Batterie der Maschinen.

Bei einigen Modellen zog die Wanze ihren Strom über einen manipulierten Netzschalter.

(Bild: NSA)

Die Sowjets hatten verschiedene Versionen dieser Wanzen im Einsatz. Die erste Wanze dieser Art ging spätestens im Oktober 1976 in Betrieb und blieb über Jahre hinweg unentdeckt. Die Wanzen ermöglichten es den russischen Agenten, die Geheimdokumente zu lesen während sie geschrieben wurden – die Russen lasen sie vor den Vorgesetzten des US-Botschaftspersonals. Entdeckt wurden sie von Projekt GUNMAN erst, als die Maschinen geröntgt wurden.

Schreibmaschinen sind also kaum die richtige Wahl, wenn man seine Dokumente vor unbefugten Augen schützen will. Das gilt übrigens auch für andere aus der Mode gekommenen Kommunikationsmethoden wie Rauchzeichen oder Stille Post. (vbr) / (fab)