Streit über Tor-Router Anonabox

Ein Entwickler hat für seine Idee, einen transportablen Tor-Router zu bauen, heftige Kritik bekommen. Er soll seine Kickstarter-Unterstützer betrogen haben, als er zu Protokoll gab, die Hardware sei von Grund auf neu entwickelt.

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Umstritten: Die Anonabox

(Bild: anonabox.com)

Das Projekt Anonabox, das einen portablen Hardware-Router für das Anonymisierungsnetzwerk Tor per Crowd Funding auf die Beine stellen will, ist in heftige Kritik geraten. Über Kickstarter hat der Initiator bis jetzt über 600.000 US-Dollar eingesammelt. Und das, obwohl die Idee einer kleinen Box, die den gesamten Internet-Traffic eines Nutzers über Tor leitet, bei weitem nicht neu ist. Die öffentliche Kritik entlädt sich aber nicht daran, sondern an Äußerungen des Entwicklers hinter dem Projekt, der behauptet hatte, die vorgeschlagene Hardware sei eine Eigenentwicklung.

In Diskussionen von Nutzern des News-Aggregators Reddit hat sich allerdings herausgestellt, dass die Platine in dem Router auf einem bestehenden Design eines chinesischen Herstellers beruht, dass man in ähnlicher Konfiguration für fast 30 Dollar günstiger direkt beim Versandportal der Alibaba-Gruppe kaufen kann. Der Anonabox-Entwickler hat inzwischen im Gespräch mit Wired zugegeben, dass es sich bei seiner Hardware nicht um eine komplette Neuentwicklung handelt.

Ob ein Router, der ohne weitere Vorkehrungen den gesamten Netzwerkverkehr durch Tor leitet, für normale Anwender eine gute Idee ist, ist ohnehin mehr als fragwürdig. Denn damit leitet man unter Umständen auch unverschlüsselte Daten durch das Anonymisierungs-Netz, was sich fatal erweisen könnte. Denn viele der Tor-Exit-Knoten werden von Geheimdiensten und anderen neugierigen Zeitgenossen betrieben, die genau solche Informationen herausfiltern und für ihre dubiosen Zwecke missbrauchen.

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(fab)