Virenpost durch Postviren

Kriminelle verschicken derzeit massenweise Virenmails mit dem Betreff "Ein Fehler in der Lieferanschrift". heise Security hat den Anhang geöffnet.

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Von
  • Ronald Eikenberg

In dem angehängten Zip-Archiv befindet sich eine ausführbare Datei mit PDF-Icon.

(Bild: heise Security)

Unbekannte verschicken derzeit massenhaft Virenmails mit dem Betreff "Ein Fehler in der Lieferanschrift", die vermeintlich von der Deutschen Post AG stammen. Wer seinen Rechner damit infiziert, wird damit nicht nur selber sofort zur Virenschleuder, sondern auch zur Angriffsdrohne: Direkt nach der Infektion beginnt der Trojaner, PHP-Seiten im Internet anzugreifen und versucht dort, eine Hintertür zu installieren.

Der Empfänger der Mail wird aufgefordert, mit Hilfe des Mailanhangs ein Postetikett auszudrucken und damit eine Sendung bei der Post abzuholen. Die angehängte gezippte Exe-Datei wird derzeit nur von einer Hand voll Virenscanner erkannt. Bei einem Kurztest in einer Sandbox wurde allerdings sofort klar, dass es sich um einen Schädling handelt.

Der Bot versucht eine Reihe von Webservern durch eine PHP-Lücke anzugreifen.

(Bild: heise Security)

Nachdem sich die Malware in den Autostart geklinkt und in einen Ordner innerhalb des Benutzerprofils kopiert hat, verwischt sie ihre Spuren, indem sie die ursprüngliche Exe-Datei löscht. Der Bot startet anschließend vom infizierten System aus einen Massenangriff auf zahlreiche Webseiten: Durch den Aufruf speziell formatierter URLs versucht der Bot festzustellen, ob ein Server anfällig für eine PHP-Lücke ist, die erst vor wenigen Wochen geschlossen wurde. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der ein oder andere Admin seinen Server noch nicht auf den neuesten Stand gebracht hat. Der Bot versucht dabei, eine Datei namens info3.txt in die aufgerufene Seite einzuschleusen, die folgenden PHP-Code enthält:

<?php
echo("830ad4ea3b311795d5a615b9e5fdbb9a");
?>

Während des Angriffs versendet der Bot Spam-Mails, um neue Bots anzuwerben.

(Bild: heise Security)

Anscheinend prüft der Bot, ob der Server den Code ausführt und die Zeichenkette zurückliefert; in diesem Fall wäre der Server verwundbar. Wandelt man die URL der eingeschleusten info3.txt leicht ab, findet man weiteren PHP-Code, der offenbar dazu dient, eine PHP-Shell auf dem angegriffenen Server zu installieren. Dadurch hätten die Botnetz-Betreiber schlimmstenfalls die volle Kontrolle über den Server – ein Angriff, der zunächst auf die IP-Adresse des infizierten Rechners zurückfällt. Damit das Botnetz der Kriminellen tüchtig wächst, versendet der Bot während der Angriffs weitere Virenmails, wie sie einst der Besitzer des infizierten Systems empfangen hat. (rei)