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isharegossip.com wurde gehackt

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Die Mobbing-Website isharegossip.com ist gehackt worden. Seit Kurzem steht statt der dort üblichen, anonym geposteten üblen Nachrede unter der Überschrift "Hacks And Kisses" ein Gedicht und der Hinweis, dass Namen und Zugangsdaten der Betreiber bekannt seien. Die Admins, Organisatoren und Moderatoren der Website werden von Unbekannten, die sich als "23timesPi" bezeichnen, aufgefordert, sich innerhalb einer Woche bei der Polizei zu melden. Andernfalls würden alle Daten öffentlich gemacht. "Dann können sich die Opfer gleich persönlich bedanken kommen", heißt es als Ergänzung auf der Website.

Auf der Website isharegossip.net heißt es, die Domain isharegossip.com sei gestohlen worden. Der Server sei davon aber nicht betroffen. Die Nutzer von isharegossip.com hätten nichts zu befürchten, da keine IP-Adressen gespeichert worden seien. Bis Näheres bekannt würde, bliebe isharegossip offline.

Statt Schmähungen und Klatsch findet sich auf isharegossip.com momentan ein Gedicht.

Die Gerüchte-Site war mit öffentlichen Hetzbeiträgen und derben Beleidigungen gegen Jugendliche in die Schlagzeilen geraten. Im März war die Mobbing-Plattform auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gekommen. Das Internetportal hatte unter dem Motto "100 Prozent anonym an deiner Schule, Universität oder Arbeitsplatz lästern" dazu aufgerufen, Gruppen zum Beispiel für Schulen oder Ausbildungszentren zu gründen und darin anonym Gerüchte zu verbreiten.

Im Zusammenhang mit Äußerungen auf der Klatsch-Plattform war ein 17-Jähriger im Berliner Stadtteil Wedding von 20 Jugendlichen zusammengeschlagen worden und wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Wegen einiger Strafanzeigen von Eltern ermittelt seit Januar die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen die Betreiber der Website. Doch bisher war es ihnen gelungen, anonym zu bleiben. Ein 25-Jähriger, der Ende Mai nach einem Fernsehbericht festgenommen wurde, stellte sich als Trittbrettfahrer heraus.

[Update: Auf eine Anfrage auf die E-Mail-Adresse, die die "Entführer" hinterlegt hatten, antwortete eine – nach eigenen Angaben – "kleine Gruppierung ohne Bezüge zu etablierten 'Hacker-Gruppen'". Dies sei die erste Aktion, die sie gemeinsam geplant habe. Mit dem Angriff auf isharegossip.com wolle die Gruppe den "Spieß umdrehen" und die Betreiber in die Opfer-Situation bringen. Diese könnten dann vielleicht die Situation der "Angeprangerten" nachempfinden. Technische Details zum Hack und welche Daten gesammelt wurden, will die Gruppe nicht preisgeben.

Es gebe "keine Notwendigkeit für eine Plattform, die sich offiziell dem Mobbing verschrieben hat und deren Betreiber sich weigern, offensichtlich verleumdende Inhalte zu löschen", heißt es weiter in der Antwort.
Die Hacker vermuten, dass die isharegossip.com-Betreiber vorgesorgt haben und ihre Verbindungen zu der Website nicht nachweisbar sein könnten. Daher hätten sie die Daten nicht direkt der Polizei übermittelt. "Wenn aber Mobbing-Opfer die Realnamen erfahren, ist Besorgnis seitens der Verantwortlichen sehr wohl angebracht. Denn die interessieren sich möglicherweise nicht so sehr für die Beweislage." Den Hackern sei bewusst, "dass der Aufruf zur Lynchjustiz uns kaum besser macht, als die Verantwortlichen selbst". Deshalb sei auch niemand gehindert, sich freiwillig der Polizei zu stellen. "In dieser Methode sehen wir bessere Erfolgsquoten, als das wieder die Behörden machen zu lassen."] (anw)