c't Fotografie 1/2016
S. 66
Motive neu sehen
Abstraktes in Stadt, Natur und im Alltag
Aufmacherbild

Motive neu sehen

Stadt, Natur, Banales – viele Motive, denen wir täglich begegnen, sind altbekannt und scheinbar verbraucht. Unwahrscheinlich, dass sie für ein orginielles Bild noch zu gebrauchen sind. Oder doch? Ja, sagt der Fotograf Torsten Andreas Hoffmann und zeigt, wie Sie Alltägliches abstrakt sehen und so zu neuen Motiven kommen.

In einem modernen Einkaufszentrum mitten in Frankfurt lohnt es sich, den Blick nach oben zu richten. Die moderne Architektur ergibt ein interessantes Formen- und Farbspiel, bei dem die abstrakte Struktur dominanter ist als der Inhalt (siehe Aufmacherbild oben). Das Gleiche gilt beim zweiten Bild, das mit den optischen Grundformen Linie und Oval spielt.

Was lohnt sich zu fotografieren? Was nicht? Viele Fotografen gehen mit vorgefassten Ideen durch die Welt, obwohl es doch besser wäre, sich von den eigenen Vorurteilen zu lösen. Eine bewährte Methode, Motive neu zu sehen, ist es, sich Stück für Stück vom Gegenständlichen zu lösen und zu beginnen, die bekannte Welt abstrakter zu sehen. Das funktioniert bei Stadtansichten, in der Street Photography oder bei Naturaufnahmen. Oft sind es ganz einfache Mittel, die zu frischen und sehenswerten Aufnahmen führen. Sich Zeit nehmen, etwa, um eine Komposition zu erarbeiten, Spiegelungen und amorphe Formen in der Stadt entdecken und als Motiv nutzen oder Unschärfe gezielt einsetzen, um vom Gegenständlichen zu abstrahieren. Ähnliches wie in der Stadt gilt dabei auch in der Natur, in der man zusätzlich Landschaften auf Form und Farbe reduzieren kann.

Abstrakt sehen im Genre Stadt

In heutigen Großstädten wird mit Sinnesreizen nicht gespart. Die Grundformen sind eckiger als in der Natur, denn Großstädte sind architektonische Konglomerate und damit stark von Linien geprägt. In dieses Linienspiel mischen sich oft Menschen und es ist nicht einfach, gute abstraktere Kompositionen zu bauen, da alles in Bewegung ist.