c't Digitale Fotografie 1/2017
S. 14
Portfolio
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Lisbon (2014) Alle Bilder: Fred Mortagne

PORTFOLIO

Fred Mortagne

Der Franzose Fred Mortagne verbindet seine Liebe zum Skateboarden mit der Leidenschaft für Fotografie. Daraus entstehen minimalistische Schwarzweißfotografien, die den Sport aus einer einzigartigen Perspektive zeigen.

Für mich ist Skateboarden eine Kunstform, eine Lebenseinstellung und ein Sport“, dieses Zitat, das der kalifornischen Skateboard-Legende Tony Hawk nachgesagt wird, bringt es auf den Punkt. Fred Mortagne alias French Fred setzt diese Idee in seinen Bildern um. Er gibt dem Sport eine ganz eigene visuelle Note: abstrakt, kunstvoll und reduziert. Schon recht früh legte er sich auf seine Bildsprache fest, das kam nicht überall gut an: „Bei den Magazinen waren knackige Farbfotos von Höchstleistungen der Skater, aufgenommen mit Fisheye-Objektiven, gefragt. Meine Bilder, bei denen ich stark auf den Style achte und eher simple Tricks zeige, passten da einfach nicht rein.“ Mortagne blieb trotzdem bei seinem Stil: „Ich habe einfach daran geglaubt und keine Kompromisse gemacht.“ Ein Glück für die Fotoszene, die Bilder des Franzosen werden inzwischen bei großen Events wie der photokina gezeigt.

Die Altmeister der Schwarzweiß-Fotografie sind Inspirationsquelle für ihn: Henri Cartier-Bresson (1908–2004) und Willy Ronis (1910–2009) zählen unter anderem dazu. Mortagne hat den Anspruch, mit jeder Situation zurechtzukommen. Er schätzt aber Locations, die von Natur aus einen minimalistischen Look haben, beispielsweise das kilometerlange Betonbett des Los Angeles River. „Wenn der Hintergrund dann doch störend wirkt, suche ich nach einer passenden Bildperspektive, um das Motiv sauber und minimalistisch zu halten.“

Muss man selber Skateboarder sein, um solche Bilder zu machen? Ja und nein. Es hilft jedenfalls dabei, das Lebensgefühl der Skater und sich selber besser zu verstehen: „Ich skate seit rund 35 Jahren. Es hat mir dabei geholfen herauszufinden, wer ich wirklich bin und was ich mit meinem Leben anfangen soll.“ Mortagne steht nicht still und rollt den nächsten Herausforderungen entgegen: gerade ist sein erster Bildband bei dem kalifornische Verlag Um Yeah Arts erschienen. Zu sehen ist darin ein gesammelter und eindrucksvoller Rückblick auf die stärksten Bilder der vergangenen 15 Jahre, die sonst nur verstreut in Magazinen, Blogs, Websites und sozialen Netzwerken zu sehen sind. (sea)