c't Digitale Fotografie 1/2017
S. 40
Kameratest Sony A99 Mark II
Aufmacherbild

Sony A99 II

Mehr Tempo, mehr Details

Angestaubt war die Alte mittlerweile, die Neue will nun Maßstäbe setzen: Die A99 Mark II ist ein Sonderling unter den Vollformat-Spiegelreflexkameras. Sie hat zwar einen Spiegel, doch der steht fest. Das macht sie besonders schnell, wie sieht es angesichts des lichtschluckenden Spiegels aber mit der Lichtstärke aus?

Es wurde auch Zeit: Ein neues Spitzenmodell für die SLT-Familie mit A-Mount-Bajonett ließ etwa vier Jahre auf sich warten. Nun ist sie da, die SLT-A99 Mark II mit Vollformatsensor. Gerade bei professionellen Kameras ist eine etwas längere Wartezeit nicht ungewöhnlich. Canon beispielsweise ließ sich für seine 5D Mark IV immerhin vier Jahre Zeit. Die Nikon D810 hat nach zwei Jahren ebenfalls noch keinen Nachfolger. Doch Sony ist bekannt für kurze Produktzyklen. Das machte etliche A-Mount-Anhänger nervös. Sie fühlten sich vergessen. Die spiegellosen Systemkameras mit Vollformatsensor und E-Mount-Bajonett, mit denen sich der Hersteller auch an professionelle Fotografen richtet, haben in den vergangenen vier Jahren eine regelrechte Geräteexplosion erfahren. Und auch die spiegellosen APS-C-Kameras schnellen mit einer unglaublichen Produktentwicklung davon.

Für seine A99 Mark II ließ sich Sony dagegen Zeit. Hat sich das gelohnt? Die technischen Daten lesen sich zumindest vielversprechend und unterscheiden sich deutlich von der Vorgängerin: So werkelt die Neue nun mit einem 42-Megapixel-Sensor, wie er auch in der spiegellosen Schwester A7R II steckt. Damit geht sie in die direkte Konkurrenz zu hochauflösenden Spiegelreflexkameras wie der Canon 5D Mark IV oder der Nikon D810. Auch beim Autofokussystem hat Sony nachgelegt: Während die alte A99 mit 19-Punkt-Phasenautofokussystem auskommen musste, arbeitet die Neue nun mit 79 Phasenautofokus-Punkten inklusive 15 Kreuzsensoren. Dazu besitzt die Kamera auch einen sensorbasierten Autofokus mit 399 Punkten. Beide Systeme greifen stets ineinander. Sony spricht deshalb von 79 hybriden AF-Fadenkreuzsensoren und meint damit die überlagerten Bildpunkte vom Autofokussensor und den Autofokuspunkten des Bildsensors.

Die A99 II arbeitet mit zwei Autofokus-Systemen – einem separaten Phasenautofokusmodul und dem sensorbasierten Autofokus. Der nicht klappende Spiegel wirft das Licht auf beide Bauteile. Sony kombiniert die sich überlagernden Fokuspunkte beider Systeme und spricht dabei von hybriden Kreuzsensoren. Einen optischen Sucher bieten die SLT-Kameras nicht, Fotografen schauen vielmehr auf ein kleines OLED-Display. Bild: Sony

Mit Autofokus sowie Belichtungsautomatik kommt die A99 II nun außerdem auf eine Serienbildrate von 12 Bildern pro Sekunde, dabei klingt sie wie eine Nähmaschine. Damit zieht die SLT-Kamera mit Spiegelreflex-Profikameras wie der Nikon D5 gleichauf. Canons EOS-1D X Mark II kann sie mit 14 Bildern pro Sekunde mit Nachführautofokus allerdings noch toppen. Im Labor konnten wir die schnellen Serienbildraten (Hi+) bestätigen. Hier schaffte sie etwa 55 bis 60 Bilder mit Raw (komprimiert) und JPEG. Doch die Bilddateien der A99 II sind ungleich größer als bei den Profi-Spiegelreflexkameras mit Auflösungen um die 20 Megapixel, entsprechend lange braucht sie, diese wegzuschreiben – etwa 50 Sekunden wenn der Puffer voll ist. In dieser Zeit zeigt sich die A99 II entsprechend behäbiger, macht aber immerhin weiter auch Serienbilder und die Wiedergabe funktioniert ebenfalls. Apropos Geschwindigkeit: Ein Kritikpunkt ist hier insgesamt, dass die Kamera zwar zwei Speicherkartenslots besitzt, jedoch nur UHS-I-SD-Karten unterstützt.