c't Digitale Fotografie - Sommer-Spezial 2018
S. 74
Streiflicht
Aufmacherbild

Fotos mit extremem Streiflicht

Die Kunst der Fotografie besteht nicht nur darin, Dinge zu zeigen, sondern auch darin, Unwichtiges wegzulassen. Die Reduktion auf Licht und Form und die Beschränkung auf eine einzige Lichtart kann der Anfang einer ganz neuen Sichtweise auf Alltägliches sein.

Normalerweise möchte man Objekte so fotografieren, dass alle Motivbereiche gut ausgeleuchtet sind. Auch in den Schattenbereichen soll noch genügend Zeichnung zu erkennen sein. Dass weniger mehr sein kann, zeigen Bilder, die mit sogenanntem Streiflicht aufgenommen wurden. Indem man die Beleuchtung auf eine einzelne, seitliche Lichtquelle reduziert, erhält das Motiv eine ganz besondere Anmutung. Beim Betrachter passiert dabei Folgendes: Das menschliche Gehirn setzt automatisch das nur spärlich beleuchtete Objekt zu einem kompletten Ganzen zusammen, gleichzeitig erhält durch die gezielte Beleuchtung die Kontur einen großen Teil der Aufmerksamkeit. Objekte mit markanten Formen wirken dadurch wie Skulpturen, je nach Motiv können auch vollkommen abstrakte Bilder entstehen.

Verschiedene Lichttypen

Natürliches Streiflicht entsteht, wenn die Sonne an einem niedrigen Horizont untergeht und der Himmel klar ist. Dann taucht das goldene Licht das Motiv in eine wunderbar geheimnisvolle Stimmung. Hier wollen wir uns aber dem künstlichen, durch Blitzlicht erzeugten Streiflicht widmen. Schauen wir uns also zunächst die unterschiedlichen Lichtqualitäten an, die uns dabei zur Verfügung stehen.