c't Digitale Fotografie 3/2019
S. 68
Menschen im Weitwinkel
Aufmacherbild
24 mm | ISO 800 | f/3.5 | 1/60 s

Lust am Tabubruch: Menschen im Weitwinkel

Die Fotografie kennt viele Konventionen: Da darf man mit dem Tilt-Shift-Objektiv nur mit Stativ arbeiten, dort brauchen Landschaftsbilder stets Wasser und Reflexion und für das perfekte Porträt muss es mindestens eine lichtstarke 80-mm-Brennweite sein, die war schließlich teuer. Dabei hat Fotografie so viel mehr zu bieten. Es geht immer anders. Lassen Sie uns gemeinsam an eingefahrenen Prinzipien rütteln. Fangen wir doch damit an, Menschen mit dem Weitwinkelobjektiv zu fotografieren.

Problemzone Weitwinkel?

Auch im Zeitalter des Selfies mögen sich viele Menschen nicht auf Fotos sehen. Geht es Ihnen auch so? Der oder die Fotografin kennt die eigene Schokoladenseite nicht und in den seltensten Fällen werden wir von Porträtspezialisten abgelichtet. Profis wissen genau, wie man mit Menschen vor der Kamera umgeht und wie man die üblichen Problemzonen in den Griff bekommt. Doppelkinn, Nase und Ohren sind hier ganz oben auf der Liste und es gibt durchaus Möglichkeiten, vorteilhaft damit umzugehen. Solange die Person hinter der Kamera weiß wie.

Da ist aber noch ein weiterer Grund, warum sich Menschen auf Porträts oft nicht mögen, und der ist erst in den vergangenen Jahren so richtig zum Thema geworden: Die Brennweite ist schuld. Bei den verbreitetsten Kameras haben wir auf diese fast keinen Einfluss. Die meisten Fotos entstehen heute mit dem Smartphone und die Brennweite ihrer Hauptkameras liegt bei etwa 28 Millimetern. Das ist relativ weitwinklig und für formatfüllende Porträts eigentlich unvorteilhaft.

Profis arbeiten mit leichten Telebrennweiten