c't Digitale Fotografie 3/2019
S. 118
Deep Sky für Einsteiger
Aufmacherbild

Mit einfachen Mitteln

Deep Sky für Einsteiger

Ganz ohne Teleskop: Schon mit einer normalen Systemkamera nehmen Sie faszinierende Bilder der Milchstraße, wunderschöner Nebel und ferner Galaxien auf. Katja Seidel zeigt, wie Sie mit vergleichsweise einfachen Mitteln Deep-Sky-Objekte fotografieren – und wo Sie die dazu passenden dunklen Orte finden.

Mein erster Blick durch ein Teleskop war zugleich voller Begeisterung und voller Enttäuschung. Begeisterung darüber, die Strukturen ferner Nebel und Galaxien „live“ sehen zu können. Enttäuschung spürte ich, weil alles nur schwarz-weiß zu sehen war. Mit den wunderschönen farbigen Bildern aus Büchern und Zeitschriften hatte das nicht allzu viel gemein. Als langjährige Hobbyfotografin war mein Ehrgeiz schnell geweckt, solche Bilder selbst aufzunehmen. Zunächst befürchtete ich, sehr viel Geld in spezielle Ausrüstung investieren zu müssen, doch schnell habe ich gelernt, dass das nicht sein muss.

Die Brennweite eines normalen Teleobjektivs (Festbrennweite oder Zoom) genügt für viele Himmelsobjekte bereits vollkommen aus, sodass es lediglich ein Problem zu bewältigen gilt: die Erdrotation. Diese führt dazu, dass man eine runde Sternabbildung nur erreicht, wenn man kurze Belichtungszeiten ansetzt. Im Telebereich von 150 bis 300 Millimetern sind beispielsweise nur 1 bis 3 Sekunden möglich, bevor die Sterne strichförmig werden. Für ein ansprechendes Astrofoto ist das häufig zu wenig. Die Lösung besteht darin, die Kamera mit der Erdrotation mitzuführen, und somit auch über viele Sekunden oder sogar Minuten noch runde Sterne aufnehmen zu können. Eine weitere Technik in der Astrofotografie ist außerdem, viele solcher Einzelaufnahmen zu addieren.

Zunächst einmal sollten Sie wissen, was Sie mit Ihrer bestehenden Systemkamera – mit und ohne Spiegel – und einem normalen Teleobjektiv im Brennweitenbereich zwischen 70 und 300 Millimetern grundsätzlich aufnehmen können. Wichtig sind hierfür zwei Dinge: die Helligkeit und die Größe der Himmelsobjekte. Da beide Faktoren jedoch auch wesentlich von der Entfernung der Objekte zur Erde abhängen, spricht man nicht von absoluten Werten, sondern von einer „scheinbaren Helligkeit“ und „scheinbaren Größe“. Für den Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie ohne Teleskop gibt es verschiedene Nebel und Galaxien, die für uns auf der Erde groß genug und hell erscheinen, um sie bereits mit einfachen Mitteln beeindruckend abzulichten.