c't Digitale Fotografie 3/2019
S. 78
Porträtfotografie
Aufmacherbild

Porträts mit Dramaturgie und Charakter

Eine gute Porträtaufnahme zeigt die Besonderheiten eines Menschen. Der bekannte und mehrfach ausgezeichnete österreichische Fotograf Joachim Bergauer beschreibt in diesem Artikel, auf welche Merkmale er in seinen Porträts Wert legt und wie er ein Porträt-Shooting plant und durchführt.

Ein gutes Porträt betont den Charakter, fängt Stimmungen ein. Es transportiert Geschichten oder inszeniert gekonnt Menschen in eigens dafür geschaffenen Welten. Damit das gelingt, sollte ein Porträtfotograf sowohl technische als auch gestalterische Aspekte berücksichtigen. Zu den technischen Voraussetzungen zählen hauptsächlich die Wahl des Objektivs, die Brennweite sowie das eingesetzte Licht. Ein gestalterischer Aspekt ist unter anderem die Location.

Bilder entstehen im Kopf

Jedes Shooting beginnt mit der Planung, die mal weniger, mal mehr Aufwand erfordert. Im einfachsten Fall genügt es, sich mit dem Model zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu treffen und einfach zu fotografieren. Für konzeptionell anspruchsvollere Fotos reicht das aber nicht. Dann ist mehr Kreativität und vor allem gute Organisation gefragt.

Zuallererst sollten Sie sich bereits im Vorfeld überlegen, wie Ihre Bilder in etwa aussehen sollen. Gibt es ein bestimmtes Thema? Wenn ja: Wie könnte man es darstellen? Ein Skript zu erstellen, ist dafür eine gute Hilfe.

Sind Sie sich über das Foto noch nicht ganz im Klaren, nehmen Sie sich ein leeres Blatt Papier und einen Stift und versuchen Sie, Ihre Vorstellungen zunächst im Groben zu skizzieren. Anschließend fragen Sie sich, wie Sie das Ganze umsetzen wollen: An welchem Ort soll das Shooting stattfinden? Ist eine Visagistin erforderlich? Findet das Shooting im Freien statt, sollten Sie die Uhrzeit im Auge behalten.

Hier habe ich diffuses Licht verwendet, das das Bild angenehm weich erscheinen lässt. Somit entstehen feinste Grau-Nuancen, die dem Bild eine dreidimensionale Wirkung verleihen. Das Spiel mit transparenten Tüchern, die in Bewegung sind, bringt Dynamik und eine wundervolle Geschichte (Dramaturgie). VF | 135 mm | ISO 800 | f/4.0 | 1/250 s

Und vor allem: Wie soll Ihr Model auf Ihren Bildern aussehen? Möchten Sie dem Model schmeicheln und es ästhetisch in Szene setzen? Oder möchten Sie bestimmte Merkmale einer Person, wie Narben oder Falten betonen? Dann heißt Ihr Stichwort Charakterporträt.

Kein Vertrauen, kein gutes Bild