c't Digitale Fotografie 4/2019
S. 82
Bildkomposition lernen
Aufmacherbild

Bildkomposition:

Schritt für Schritt zum bewusst gestalteten Bild

Heutzutage werden auf unserem Globus Tag für Tag Milliarden von Fotos geschossen – mit Abstand die meisten mit dem Smartphone. Eine Vielzahl davon soll nur den Beweis liefern, dass man hier oder dort gewesen ist. Wie kann es gelingen, sich von dieser oberflächlichen Flut abzuheben? Thorsten Andreas Hoffmann gibt Ihnen hier 13 Regeln und Übungen an die Hand, mit denen Sie Ihre Bilder besser gestalten können.

Nein, das Aufmacherfoto steht nicht versehentlich auf dem Kopf, es steht deshalb auf dem Kopf, weil sich so die Bildkomposition viel besser erkennen lässt. Machen auch Sie den Versuch und drehen Ihre Fotografien um 180 Grad. Wie erscheint die Komposition: kraftvoll und ausgewogen? Oder schwach und voller optischer Ungleichgewichte? Lernen Sie, Ihre Bildkomposition auf diese Weise zu beurteilen.

Jedem Foto liegt eine abstrakte Grundstruktur, ein Muster zugrunde und dieses Muster ist die Bildkomposition. Sie entscheidet darüber, ob ein Bild den Betrachter fesselt oder unbeeindruckt lässt. Während der Maler sein Gemälde in Ruhe komponieren kann, müssen wir als Fotografen das Kompositionsmuster unseres Fotos sehr schnell erkennen und mit der richtigen Brennweite aus der Wirklichkeit herausfiltern. Welche optischen Gesetze dabei wirksam sind und wie wir lernen, sie für die Gestaltung zu nutzen, ist Inhalt der folgenden Seiten.

Besonders bei gegenständlicheren Fotos erkennt man die zugrunde liegende Struktur deutlicher, wenn man das Bild auf den Kopf stellt. Betrachten Sie obiges Foto (kleines Bild) normal, so drängt sich als erstes sein Inhalt in den Vordergrund. Stellen Sie es hingegen auf den Kopf (großes Bild), so wird die abstrakte Kompositionsstruktur deutlich: Es dominiert ein starkes Licht-Schatten-Spiel mit langgezogenen waagerechten Linien, in deren Zwischenräumen viele parallele schräge Linien entlanglaufen. Der Mensch wirkt wie ein dicker Punkt im Bild und ist eine Art i-Tüpfelchen. Die Komposition ist kraftvoll und ausgewogen, auch der auf den Kopf gestellten Prüfung hält sie stand.

Die Bildmitte – Stilmittel oder Falle