c't Digitale Fotografie 5/2019
S. 60
Hochzeitsfotografie
Aufmacherbild

HOCHZEITSFOTOGRAFIE

Nicht kitschig, einzigartig:

Gute Fotos reichen nicht: Wer als Hochzeitsfotograf erfolgreich sein will, muss sich geschickt vermarkten und einen eigenen Stil entwickeln. Abschauen bei anderen fotografischen Disziplinen ist dabei äußerst erwünscht.

Beide blicken in dieselbe Richtung. Er steht hinter ihr, hält sie in seinen starken Armen. Sie, die zarte zerbrechliche Schönheit, lehnt sich an ihn und hat ein hoffnungsvolles, leichtes Lächeln auf den Lippen. Im Hintergrund ein in weiß verschwimmender unschuldiger Studiohintergrund. Hochzeitsfotografie ist verkitscht, klischeebeladen und austauschbar. Das war einmal!

Ihr mieses Image hat sie längst abgestreift. Sie entzieht sich mehr und mehr den langweiligen Traditionen. In Zeiten einer kriselnden Modefotografie, einer Werbefotografie, die sich zunehmend aus Stockbildern bedient und eines Fotojournalismus, der kaum noch große Bilderstrecken in Magazinen unterbringen kann, drängen Fotografen aus allen Fachbereichen auf diesen lukrativen Markt. Sie erweitern das Spektrum der Hochzeitsfotografie und verhelfen ihr zu einem besseren Ansehen. Doch sie erhöhen auch den Konkurrenzdruck. Wer aus der Masse herausstechen will, braucht mehr als nur schöne Fotos. Er braucht eine eigene Handschrift.

Stefan Finger gründete vor knapp zehn Jahren eine Agentur für Hochzeitsfotografie. Schwerpunkt: Bilder im journalistischen Stil. In diesem Beitrag lässt sich der Fotojournalist, der auch an zwei deutschen Hochschulen lehrt, in die Karten schauen. Anhand seiner persönlichen Erfahrungen verrät er, wie Sie bei einer Hochzeit zu mehr als Klischee- und Standardfotos kommen.