c't Digitale Fotografie 1/2020
S. 130
Focus-Stacking
Aufmacherbild
Hier wurden 30 Einzelfotos mit Zerene Stacker verrechnet. Erstaunlicherweise sind Strichspuren von fallenden Regentropfen erhalten, die im Moment der Aufnahme in der scharfen Zone fielen. Sie hätten eigentlich auch als unscharf herausgerechnet werden müssen. Canon EOS RP mit Canon EF 100 mm Macro IS USM. Blende 8. Einzelfoto aus einer Bracketing Serie Canon EOS RP mit Canon EF 100 mm Macro IS USM. Blende 8. Einzelfoto aus einer Bracketing Serie

Tiefenschärfe erweitern mit Focus-Stacking

Besonders im Nahbereich hat man mit einer schmalen Schärfeebene zu kämpfen. Im Bild ist damit nur ein kleiner Bereich des Motivs scharf. Mehr Schärfentiefe liefern mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichem Fokuspunkt, die digital zu einem Foto mit erheblich mehr Schärfentiefe kombiniert werden. Inzwischen unterstützen diverse Kameras diese Technik. Für Makrofotos sind motorisierte Einstellschlitten hilfreich. Wir haben uns das kamera-interne Stacking von Canon und Panasonic angeschaut. Dazu vergleichen wir einen günstigen Motorschlitten aus China mit der Luxusvariante von Novoflex.

Wenig Schärfentiefe ist häufig erwünscht, um ein Motiv vor einem unscharfen Hintergrund freizustellen. Manchmal wäre es jedoch auch schön, könnte man die Bildinhalte von vorne bis hinten scharf abbilden. Mit einem Standardzoom reicht eine mittlere Blende, um dies immerhin von wenigen Metern Entfernung bis unendlich zu realisieren. Doch gerade bei Makrofotos ist das nicht möglich: Je kürzer die Distanz, desto geringer die Schärfentiefe. Beim Abbildungsmaßstab von 1:1 beträgt sie nur einige Millimeter und verkürzt sich bei stärkerer Vergrößerung noch mehr. Abblenden kann dann nur noch begrenzt helfen. Dennoch lässt sich unser Wunsch realisieren.

Die nötige Technik, um den Schärfebereich auszudehnen, heißt Focus-Stacking. Dafür werden nacheinander mehrere Fotos mit unterschiedlichen Fokuspunkten aufgenommen. Die Aufnahmen enthalten jeweils nur kleine, sich überlappende, scharfe Bereiche. Eine Software errechnet aus dem Bilderstapel ein Foto mit größerer Schärfentiefe. Möglich ist das beispielweise mit den Programmen Adobe Photoshop, Zerene Stacker und Helicon Focus.

Damit die Bilder weitestgehend deckungsgleich sind, dürfen sich die Motive nicht bewegen und die Kamera gehört auf ein Stativ. Die Methode bringt die besten Ergebnisse daher vor allem in der Makro- / Mikrofotografie und beim Fotografieren von Produkten sowie in der Architekturfotografie.