c't Digitale Fotografie 1/2020
S. 92
Vanlife für Fotografen
Aufmacherbild

Vanlife

Als Fotograf unterwegs im Camper

Freiheit, Abenteuer, Fotografie: „Vanlife“ ist mehr als ein Hype auf Instagram & Co. Gerade Fotografen erschließt sich so ein intensiverer Zugang zu ihren Motiven, wenn ihre Unterkunft mit dem Fotospot verschmilzt. Ob im PKW mit Dachzelt oder im Luxuscamper mit Dusche und WC: In diesem Erfahrungsbericht zeigt Katja Seidel, was Sie als reisender Fotograf erwartet und wie Sie sich optimal organisieren können.

Camping – wie es früher so schön hieß – konnte mich als Fotografin lange nicht begeistern. Ich habe diesen Begriff mit überfüllten Campingplätzen und großen weißen Wohnmobilen oder spießigen Wohnwagen assoziiert. Ein komfortables Hotelzimmer in den Bergen schien mir lange Zeit einfach praktischer. Zu meinen Motiven konnte ich schließlich problemlos mit dem Auto fahren. Doch mittlerweile habe ich umgedacht: Warum nicht beides kombinieren? Das „Hotel“ einfach mit zu den Fotospots nehmen?

Dabei hat mich der Trend „Vanlife“ inspiriert, bei dem das eigene Heim in Form eines Campers immer dabei ist, frei von der biederen Struktur eines Campingplatzes, unabhängig von vorgegebenen Zeitplänen und inmitten der wilden Natur. Das wollte ich selbst ausprobieren und bin im April 2019 zu einer neunmonatigen Fotoreise mit meinem Campingbus aufgebrochen – sie führte mich vom Mittelmeer über die Alpen bis hin zu den Polarlichtern im hohen Norden. Ich wollte diese herrlichen Fotospots ohne den typischen Druck eines kurzen Fotourlaubs genießen, und mein Camper sollte nicht nur als rollendes Hotelzimmer und Basis für Fotosessions dienen, sondern gleichzeitig mobiles Büro zum Schreiben und Bilderbearbeiten sein.

Die Ansprüche jedes Einzelnen sind natürlich ganz verschieden. Dem einen genügt ein kleiner PKW mit Dachzelt, andere benötigen mehr Platz und wollen auf Luxus wie Dusche und Toilette nicht verzichten. Ich selbst habe den Mittelweg gewählt und reiste mit einem relativ kleinen, fünf Meter langen Campingbus mit Tisch, Küche, Bett und portabler Toilette. Etwa ein Jahr vor meiner langen Reise habe ich ihn neu, und als Camper ausgebaut, gekauft. Er ist nicht nur mein Reisemobil, sondern gleichzeitig mein Alltagsfahrzeug. Selbst in Großstädten bin ich bisher gut mit dieser Lösung gefahren. Außerdem stellte ich fest: Die Geborgenheit und Sicherheit, die solch ein eigenes Haus auf Rädern einem gibt, ist für mich durch kein Luxushotel zu toppen! Wer gern in der Natur unterwegs ist, wird vielleicht nie wieder anders reisen oder sogar leben wollen.