c't Digitale Fotografie 1/2020
S. 30
Emotionen des Winters: Stille
Aufmacherbild
Diese Schafherde durfte auch im Winter den schützenden Stall verlassen. Nebel und Sonne lassen die wolligen Tiere weich und leicht wirken.Nikon D810 | 50 mm | ISO 64 | f/8.0 | 1/320 s Nikon D810 | 50 mm | ISO 64 | f/8.0 | 1/320 s

Stille erleben

Man findet sie an wenigen Orten und selbst da nicht zu jeder Zeit – die Stille. Wie heilsam, zur Ruhe zu kommen in einer oft rastlosen Zeit. Bilder, die Ruhe ausstrahlen, lassen uns innerlich aufatmen. Im Folgenden nehme ich Sie mit auf einen morgendlichen Ausflug und erkläre, wie Ruhe mithilfe von Kamera und Nachbearbeitung auch in Ihren Bildern Platz findet.

Ich liebe es, den Tagesbeginn in all seinen Facetten von der ersten Minute an zu begleiten. Zu beobachten, wie die Welt ganz langsam an Dynamik gewinnt, ist ein Genuss. Stille entsteht in einem Bild nicht nur durch eine lange Belichtungszeit, sondern auch durch eine weit geöffnete Blende. Sie verfeinert den Bildeindruck. Mit einer lichtstarken Festbrennweite, beispielsweise 24 Millimeter f/2.0, ist es möglich, das Motiv vor dem Hintergrund freizustellen. Die Randunschärfe des Objektivs ist zu vernachlässigen, da sich bei solchen Fotos meist keine nennenswerten Strukturen am Bildrand befinden. In meinen Fotografien sind die Balance und die begrenzte Menge der Stilmittel der Schlüssel zum Erfolg. Die Bilder wirken ruhig und aufgeräumt.

Eine gelungene Mischung aus Schärfe und Unschärfe schmeichelt dem Auge. Wir sind es gewohnt, nur auf den fokussierten Punkt zu schauen, die restliche Umgebung nehmen wir unscharf wahr, wenn auch unbewusst. Ein zweidimensionales Bild kann aber bis in die Ecken für das Auge scharf dargestellt werden. Daher lege ich den Fokus im Foto so, dass Licht, der Bereich der Schärfe und die umliegenden Bildbereiche nicht vom eigentlichen Motiv ablenken. Das Auge findet seinen Weg mithilfe der gesetzten Lichtakzente und weil das Objekt in der Umgebung freigestellt wird. Mein Ziel ist es, den Blick des Betrachters zu fesseln. Er soll dabei immer wieder zum Motiv zurück gelenkt werden.

Bereits während ich mein Fotomotiv vor Ort auswähle, achte ich darauf, dass ich aus einem Blickwinkel fotografieren kann, bei dem sich ein möglichst homogener und ruhiger Hintergrund zeigt. Im Bild mit der Schafherde kam mir der Nebel zu Hilfe, doch in mancher sonst scheinbar unberührten Landschaft entdeckt man auf den zweiten Blick zum Beispiel unschöne Strommasten. Auch Gebäude, Windräder oder Skipisten können den Bildeindruck stören.