c't Digitale Fotografie 1/2020
S. 3
Editorial
Bild: Katja Gehrung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das Ende eines Jahres ist immer eine gute Gelegenheit, um zurückzublicken. Eigentlich fühle ich mich nicht alt, aber selbst als Mittdreißigerin habe ich die Anfänge der digitalen Fotografie miterlebt. Als Jugendliche fotografierte ich auf Film und entwickelte zu Studienzeiten meine Bilder im Schwarz-Weiß-Labor selbst. Eines meiner Highlights war es, das erste Mal ein Bild auf Baryth- statt auf mit Kunststoff beschichtetem PE-Papier auszubelichten. Was für tolle Grautöne, keine der ersten Digitalknipsen kam auch nur annähernd an diese Bildqualität heran. Und doch – heute haben sie diese Handarbeit des Fotografenhandwerks großenteils verdrängt. Die war zugleich aufwändig und spannend; nicht einfach das Smartphone in die Luft halten, Touchauslöser drücken – knips – und die KI rechnet das Bild schön. Solange man nicht so genau hinsieht, schaut es absolut perfekt aus.

In dieser Ausgabe der c’t Fotografie haben wir aber genau hingesehen, Kameragenerationen verglichen und die besten Smartphonekameras auf dem Markt auf Herz und Nieren geprüft. Die digitalen Kameras, die ursprünglich die analogen Filme vom Markt drängten, kämpfen nun selbst mit dünner Luft. Die meisten Menschen fragen weniger nach wirklich guter Bildqualität, sondern mehr nach einfacher Bedienung und Praxistauglichkeit. Und so rutschen Systemkameras immer mehr in den Profibereich, andere Kameraarten drohen auszusterben.

Doch jede Veränderung bietet auch Chancen – einige davon finden Sie in dieser Ausgabe der c’t Fotografie. Ich wünsche Ihnen ein spannendes Fotojahr 2020, viel Experimentierfreude und ein gutes Gespür, welcher Trend Ihnen neue Türen für Ihre Kreativität öffnet. Ein tolles Beispiel finden Sie ab S. 164 bei unserer Galeriefotografin Katja Gehrung.

Christine Bruns