c't Digitale Fotografie 3/2020
S. 156
Gesichtserkennung
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Bild: Andrey Popov – stock.adobe.com

Gesichtserkennung

Spitzeldatenbank mit Ihren Porträtfotos?

Ein junger IT-Experte und sein Startup Clearview AI haben von privaten Websites, Facebook, Youtube & Co drei Milliarden Porträts für seine Gesichtserkennungs-Datenbank eingesammelt. Die Fotografen der Bilder hat er nicht um Erlaubnis für die Nutzung gefragt. Dagegen regt sich auch in Deutschland Widerstand. Wir geben Einblicke rund um das umstrittene Clearview-System und was Sie gegen die unerlaubte Nutzung von Ihren Fotos unternehmen können.

Heimlich, still und leise hat die New Yorker Firma Clearview AI eine Datenbank mit rund drei Milliarden Fotos von Menschen aus aller Welt, darunter auch Deutschland, aufgebaut. Das Unternehmen bietet seinen Kunden Dienste zur biometrischen Gesichtserkennung an. Dies berichtete die New York Times und ließ damit bei Politikern und Datenschützern die Alarmglocken schrillen. Können wir uns in Zukunft nicht mehr anonym in der Öffentlichkeit bewegen? Die Zeitung sprach vom „Ende der Privatsphäre, wie wir sie kennen“. US-Senatoren wie Ed Markey oder Ron Wyden warnten, dass ausländische Regierungen damit „ihre Bürger unterdrücken könnten“.

Die Gesichtsbilder fischte Clearview vor allem von sozialen Netzwerken wie Facebook, LinkedIn, Youtube und Twitter ab sowie vom mobilen Bezahldienst Venmo, Nachrichtenportalen und Millionen privater Webseiten. Zahlreiche Behörden wie das FBI oder die amerikanische Abschiebepolizei ICE sollen den Dienst nutzen oder sich zumindest dafür interessiert haben. Konzerne wie Best Buy, Warenhausbetreiber Macy’s oder Supermarktkette Walmart stehen ebenfalls auf einer Kundenliste zusammen mit 2900 Behörden und Firmen. Diese Liste ist Clearview im Februar wegen eines Datenlecks abhanden gekommen, Details drangen so an die Öffentlichkeit.

Ultimatives Tool für die Überwachung