c't Digitale Fotografie 3/2020
S. 64
Objektivtest
Aufmacherbild

Spiegeltele

AN MODERNEN KAMERAS

Droht einer ganzen Objektivgattung das Schicksal des Vergessenwerdens oder lassen sich Spiegelobjektive auch heute noch sinnvoll an digitalen Kameras einsetzen? Wir haben es ausprobiert und waren erstaunt, was sich mit diesen Exoten dank hoher ISO-Werte und Bildstabilisierung moderner Systemkameras alles anstellen lässt – nicht zu vergessen das besondere Bokeh und der geringe minimale Fokusabstand für Nahaufnahmen.

Waren Spiegelteleobjektive in den 80er Jahren voll im Trend, so führen sie heute eher ein Nischendasein. Manche Hobbyfotografen waren in analogen Zeiten mit den Anforderungen der sehr langen Brennweiten überfordert und produzierten mangels „schneller“ – also extrem lichtempfindlicher – Filme oft verwackelten Ausschuss. Das Objektiv verschwand im Schrank. Mit hohen ISO-Werten, Bildstabilisatoren in der Kamera und sofortiger Bildkontrolle haben sich die technischen Voraussetzungen heute deutlich geändert. Machen wir den Schrank wieder auf und schauen nach, wie sich alte und neue Spiegeltele an modernen Kameras schlagen.

Ein kurzer Rückblick

Das Grundprinzip eines Spiegelteleskops wurde schon in der Renaissance beschrieben. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden, unter anderem von Isaac Newton, unterschiedliche Bauformen entwickelt. Die Namen vieler Entwickler wie Maksutov oder Cassegrain finden sich auch heute noch als Bauartbezeichnung von Teleskopen wieder. Spiegellinsenobjektive, wie sie für die Fotografie verwendet werden, sind Spiegelteleskopen sehr ähnlich, jedoch besitzen sie in der Regel eine zusätzliche, so genannte Bildebnungsgruppe, die das Bild für die Anforderungen der planen Film- beziehungsweise Sensorebene korrigiert.