c't Digitale Fotografie 4/2020
S. 66
Kameras für den Alltag
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IMMER-DABEI-KAMERAS

Von Budget-Lösung bis Edelknipse

Praktisch soll sie sein und leistungsfähig: Eine Immer-dabei-Kamera muss sich regelrecht an die eigenen Bedürfnisse anschmiegen. Worauf es dabei ankommt, unterscheidet sich von Fotograf zu Fotograf.

Der eine sucht eine unkomplizierte Zweitkamera für den schmalen Geldbeutel, der andere will mit nur einer Kamera im Gepäck alle erdenklichen fotografischen Situationen abdecken: Die passende Immer-dabei-Kamera sieht für jeden Fotografen anders aus. Und die Auswahl an möglichen Geräten ist riesig. Wichtig ist es daher, sich zu fokussieren und genau herauszufinden, was man wirklich benötigt. Dann fällt es auch leichter, Kompromisse einzugehen. Die eierlegende Wollmilchsau, es gibt sie nicht.

Um Sie bei der Suche nach neuer Hardware zu unterstützen oder Sie bei Ihrer Wahl zu bestätigen, haben wir vier unterschiedliche Prioritäten gesetzt. Die Szenarien umfassen Geräte fürs kleine Geld, die All-in-one-Kamera, die edle Kompakte und eine einfache Lösung.

PRIORITÄT BUDGET

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Priorität Budget

Viel für wenig Geld

Soll Ihre Kamera viele Features und große Flexibilität besitzen und dennoch nicht viel kosten, ist eine Einsteiger-Systemkamera mit Kit-Objektiv die passende Begleiterin. Im Test: Canon EOS M200.

Stand der Technik: Wer viel für wenig Geld möchte, schaut sich am besten auf dem Einsteiger-Markt um. Dort finden sich Systemkameras mit vielen Features ihrer großen Schwestern. Geführte Menüs helfen Gelegenheitsfotografen oder Anfängern trotz mangelnder Fotokenntnisse zu guten Bildern zu kommen. Will man Belichtungsparameter manuell einstellen, kann das umständlich sein.

Einsteiger-Systemkameras gibt es als Spiegelreflex- und als spiegellose Modelle. In der Regel kauft man sie direkt mit Kit-Zoom-Objektiv, die Preise liegen zwischen 200 und 600 Euro. Sie kommen mit größeren Bildsensoren als die meisten Kompakt-, Bridge- oder Superzoom-Kameras und bieten eine bessere Bildqualität. Üblicherweise findet man darin APS-C-Sensoren mit einem Crop von 1,5 beziehungsweise 1,6 oder Micro-Four-Thirds-Sensoren mit einem Crop von zwei gegenüber dem Vollformat.

Einige Anbieter wie Sony, Olympus oder Fujifilm stellen im Preissegment für unter 600 Euro keine Systemkameras her, stattdessen reduzieren sie ältere Modelle, die zwar keine aktuellen Features enthalten, aber Einsteigern dennoch viel zu bieten haben. Die Spiegelreflexkameras sind allerdings eher als Auslaufmodelle zu betrachten, lediglich Canon und Nikon bieten sie noch an.

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Priorität Flexibilität

Viel Brennweite für nah und fern

Sind Ihnen besonders Flexibilität und ein großer Brennweitenbereich wichtig, mit denen Sie Tiere, Personen, Landschaften oder Makro fotografieren können? Sie wollen dabei keine Objektive wechseln? Dann sind Superzoom-Kameras von Weitwinkel bis Super-Tele eine bequeme Lösung. Im Test: Nikon Coolpix P950.

STAND DER TECHNIK: Superzoom-Kameras sind die idealen Begleiter für alle, die sich gern in vielen fotografischen Bereichen von Astrofotografie über Porträt bis Landschaft tummeln, aber nicht ständig Objektive wechseln oder riesige Objektive mit sich herumschleppen wollen.

Der Vorteil der Superzoomkameras liegt also in der Flexibilität der Brennweite. Vom gleichen Standort und ohne irgendwelche Umbauten können der Kormoran am anderen Seeufer und das Kind, das vor den eigenen Füßen im Sand spielt, fotografiert werden.

Je größer jedoch der Zoombereich wird, desto kleiner wird die Auswahl der möglichen Kameras. Die längsten Brennweiten bietet Nikon mit der Coolpix P950 mit 2000 Millimetern und der P1000 mit sogar 3000 Millimetern Vollformat-äquivalenter Brennweite. Sony, Canon und Panasonic haben ebenfalls „Superzoomer“ im Sortiment, diese besitzen aber maximal 1200 Millimeter und ebenfalls den kleinen 1/2,3-Zoll-Sensor, den man auch in Smartphones findet. Dabei setzen die Hersteller auf 16 bis 20 Megapixel. Die Preise beginnen bei rund 300 Euro, was gerade für Gelegenheitsfotografen, Einsteiger oder Geringverdiener sehr attraktiv ist.

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Priorität Perfektion

Hochwertige Haptik und Bildqualität

Wenn es Ihnen auf optimale Ergebnisse und eine hochwertige Haptik ankommt, eignen sich für Sie vor allem Edelkompaktkameras mit Festbrennweite als Allzeitbegleiter. Im Test: Fujifilm X100V.

STAND DER TECHNIK: Bei den edlen Kompaktkameras steht die Bildqualität im Vordergrund, deshalb finden Fotografen hier keine Superlative, sondern gut aufeinander abgestimmte Technik. Das äußert sich in großen Bildsensoren. Mittlerweile ist der Typ-1-Zoll-Sensor im Kompaktkamerabereich fast die Norm. Die besonders edlen Modelle, die in unser Szenario „Perfektion“ passen, setzen sich mit noch größeren Chips ab, die normalerweise in Systemkameras mit und ohne Spiegel stecken. Damit positionieren sie sich als echte Alternative zu diesen und eignen sich als Zweitkamera für erfahrene Fotografen, die bei der Bildqualität keine Abstriche machen wollen.

Panasonic arbeitet in wenigen seiner Kompaktmodelle entsprechend mit Four-Thirds-Sensoren (17,3 x 13 Millimeter). Canon, Fujifilm und Ricoh verbauen dagegen die größeren APS-C-Chips (22,2 x 14,8 / 23,7 x 15,6 Millimeter). Sony und Leica gönnen ihren kompakten Topmodellen sogar Vollformat (36 x 24 Millimeter). Bespielt werden diese häufig von lichtstarken Festbrennweiten, die sich mit ihren 28 beziehungsweise 35 Millimetern an die Reportagelinsen der Analogzeit anlehnen. Anfangsblenden von f/2.0 sind dabei keine Seltenheit. Rarer sind in dieser Klasse die Zoomobjektive. Canons G1X Mark III, Panasonics Lumix LX100 II sowie Leicas D-Lux 7 gehören zu den Ausnahmen mit moderaten Brennweitenspannen zwischen 24 bis 70 Millimetern.

Testkandidat im Check: Fujifilm X100V

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Priorität Einfachheit

Ein Gerät für alle Alltagsaufgaben

Während Sie sich für konkrete Foto-Touren mit der Kamera aufmachen, suchen Sie für den Alltag eine unkomplizierte Lösung. Warum nicht das Smartphone? Im Test: Samsung S20 Ultra.

STAND DER TECHNIK: Gerade die High-End-Smartphones legen einen gewaltigen Schwerpunkt auf die Kamera und sparen hier nicht mit Superlativen. In den vergangenen Jahren wuchs vor allem die Anzahl der einzelnen Kameramodule – Triple- oder Quad-Systeme sind heute Standard. In der Regel gesellen sich zu einer Hauptkamera mit weitwinkeliger Brennweite noch ein Ultra-Weitwinkel-, sowie ein Tele-Modul. Oft liefert eine weitere Kameraeinheit Informationen für Unschärfe- und andere Bildeffekte. Das OnePlus 8 Pro besitzt beispielsweise ein „Farbfilter“-Modul, mit dem es Infrarot-Aufnahmen machen kann.

Das bescherte ihm in den vergangenen Wochen viel mediale Aufmerksamkeit, wollte ihm doch so mancher Blogger / Redakteur gerne einen Röntgenblick bescheinigen. Unsere eigenen Versuche legen allerdings nahe, dass es sich bei den beobachteten Effekten um eine Folge der Optimierung für Infrarot-Fotografie handelt, mit all ihren Eigenheiten.

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Messwerte und Bildkritik

Unsere Testkandidaten haben wir uns nicht nur in der Praxis genauer angeschaut, sondern auch im Labor unter standardisierten Bedingungen. Hier haben wir einen besonderen Schwerpunkt auf das Rauschverhalten bei verschiedenen ISO-Empfindlichkeiten gelegt. Die Messwerte (siehe Tabelle) sind unauffällig, belegen allerdings wenig überraschend den Vorteil der größeren APS-C-Sensoren in der Canon EOS M200 und der Fujifilm X100V. Spannender ist der Wettkampf zwischen Nikon P950 und Samsung S20 Ultra, den das Smartphone im Pro-Modus mit reinem Blick auf die Messwerte für sich entscheiden kann.

Auffällig ist die dabei die eher mittelmäßige Leistung der verbauten Optik, die die Sensorauflösung selbst zentral nicht voll ausnutzt. Entsprechend ungünstig entwickelt sie sich bei hohen Empfindlichkeiten. Und das fällt in den Testaufnahmen sehr deutlich auf: Selbst bei niedrigster ISO-Empfindlichkeit bleibt das Nikon-Bild in den Details sehr weich, wohingegen das S20 die Details unserer Malpalette plastisch herausarbeitet. Hier stört lediglich, dass die Bilder stark nachgeschärft sind und wenig Vergrößerungspotenzial bieten.