c't Digitale Fotografie 1/2021
S. 24
Winterfotografie
Aufmacherbild

FOTOGRAFIEREN IM Winter

Der Winter hält für Landschaftsfotografen zahlreiche Motive bereit. Die niedrig stehende Sonne sorgt für tolle Farben und eine besondere Stimmung. Profifotograf Nicolas Alexander Otto gibt in diesem Artikel nützliche Tipps, wie Sie perfekte Motive finden und eindrucksvoll festhalten. Dazu zeigt er, welche Ausrüstung sich in der Praxis bewährt hat.

Es ist morgens um kurz vor Sechs. Es liegt bereits Schnee auf der Frontscheibe meines Autos und mein Atem gefriert bei den Temperaturen knapp unter 0° C im Innenraum. Der Neuschnee begann bereits am Abend zu fallen und es scheint, als habe es im Verlauf der Nacht noch mehr gegeben. Die Scheibenwischer schaffen es kaum, das weiße Pulver beiseite zu schieben. Nun ist es auch nicht mehr weit bis zur blauen Stunde. Ein paar Wolken ziehen über den Himmel, als wollten sie im letzten Licht des untergehenden Mondes dem Tag entkommen. Zwischen ihnen leuchten ein paar Sterne. Ich hole mein Stativ und meinen Kamerarucksack aus dem Kofferraum und mache mich zu meinem Fotospot auf. Es ist nahezu still, der Schnee schluckt die Umgebungsgeräusche, nur meine Schritte sind zu hören. Noch hat die Sonne den Schnee nicht angeschmolzen und zusammenfallen lassen. Nachdem ich an meinem angedachten Fotospot angekommen bin, freue ich mich wie ein Kind an Weihnachten über die unberührte Schneedecke. Ich habe extra einen kleinen Umweg gemacht, um keine Spuren im Motiv zu hinterlassen. Während der ersten Langzeitbelichtung macht sich das Licht der aufgehenden Sonne bemerkbar. Es mischt sich mit der Lichtverschmutzung einer Kleinstadt am Fuße des Karwendels. Die Sonne geht wie geplant hinter dem Gebirge auf und ich bekomme ein Farbenspiel zu sehen, noch lange bevor sie über den Horizont klettert. Als würde das Sonnenlicht sich seinen Weg durch eine kleine Lücke am Horizont bahnen und die Wolkendecke in schönsten Pink- und Lilatönen färben. Zufrieden schaue ich auf mein Display und überprüfe das Histogramm. Als die blaue Stunde sich dem Ende nähert, bin ich schon wieder auf dem Rückweg. Das blau-violette Spektakel weicht einem fahlen, grauen Licht. Am Auto angekommen, bin ich froh, diese eisige Nacht hier verbracht und der Kälte getrotzt zu haben.

Winterwonderland