c't Fotografie 2/2021
S. 22
Flow – Fotografieren als Glückserlebnis
Aufmacherbild

FLOW

Fotografieren als Glückserlebnis

Die eigene Fotografie macht selten einen Quantensprung. Häufiger haben wir das Gefühl, uns im Kreis zu drehen oder keine neuen Ideen mehr zu finden. Dagegen hilft eine Art mentaler Zauberstab namens Flow – schwer greifbar, aber doch real. Sie müssen nicht esoterisch veranlagt sein oder an höhere Mächte glauben. Ihr Gehirn schafft das ganz alleine: Der mentale Flow-Zustand wirkt magisch, ist allerdings nicht umsonst zu haben, denn Studien haben gezeigt: Im Grunde ist der Flow nichts weiter als die Verbindung zwischen Hürden, Anstrengung und Glück.

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Alles fließt

F low ist in aller Munde, kann Ihnen einen Kreativitätsschub verleihen und Sie künstlerisch boosten. Gemeint ist ein wundervoller Zustand, bei dem irgendwie alles fließt und den im Grunde jeder kennt und schon erlebt hat – nur möglicherweise noch nicht beim Fotografieren. Erkennen können Sie den Flow, wenn Sie sich intensiv mit einer Sache beschäftigen und sich rundherum alles auflöst, Sie das aber nicht weiter stört. Denn in Ihrer Wahrnehmung existiert nur das, was Sie gerade tun und was in Ihnen tiefe Zufriedenheit auslöst. Beim Sport, bei der Malerei, der Musik oder eben beim Fotografieren: Wenn es einfach klappt, rund läuft und sich gut anfühlt, sind Sie im Flow. Überall erkennen Sie wie aus dem Nichts wunderbare Gelegenheiten für Ihre Motive. Sie sind so in Ihrem Element, dass es sich rundherum perfekt anfühlt. Das sind die Momente, die Fotografie so faszinierend machen.

Das Beste: Sie können üben, dem Flow den Weg zu vereinfachen, damit er Ihnen zuverlässig zur Seite steht.

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Ein mentaler Zustand führt zu Glück

D ie Neurobiologie und Psychologie haben beide inzwischen recht gut erforscht, wann und unter welchen Rahmenbedingungen sich Flow bei verschiedenen Menschen einstellt. Flow entsteht durch Hormonausschüttungen. Wie das ganze physiologisch und chemisch genau abläuft, daran wird noch mit Nachdruck geforscht.

Klar ist, im Flow spielt der Bereich des Frontallappens des Gehirns die Schlüsselrolle. Der präfrontale Kortex ist nämlich dafür verantwortlich, dass emotionale Zustände bewertet werden. Er steuert unsere Handlungen systematisch und kümmert sich dabei um höhere kognitive Prozesse, einschließlich der Selbstreflexion und des analytischen Denkens.

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In den Flow kommen

D as Kernstück des Flows ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Herausforderungen und Ihren Fähigkeiten zu erreichen. Sind Ihre Fähigkeiten zu gering und die Anforderungen zu hoch, fühlen Sie sich überfordert, unruhig, gestresst. Sind die Anforderungen gemessen an Ihren Fähigkeiten zu niedrig, fühlen Sie sich unterfordert. Das endet in Routine und Langeweile. In keinem der beiden Fälle sind Sie wirklich erfüllt und effizient in dem, was Sie tun. Damit der Flow nicht in weiter Ferne bleibt, lernen Sie dieses Gleichgewicht zu optimieren. Bedingung ist, dass Sie das Ausmaß der Anforderung und die Höhe Ihrer Fähigkeiten realistisch einschätzen lernen.

Die Beziehung zu Ihrer Kamera

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Ihre Fotografie im Flow verbessern

W ie setzen Sie nun den Flow ein, um Ihre Fotos konkret zu verbessern? Das geht, indem Sie den mentalen Zustand nutzen, der Sie kreativ, leicht und locker, und dennoch geduldig, zielstrebig und fokussiert macht. Aus der Lust und der Ausdauer im Flow wird Ihr Bild gut sein.

Gewiss ist nicht jedes im Flow geschossene Bild automatisch qualitativ besser. Der Flow sorgt aber für die Motivation, dass Sie dranbleiben. Er steigert Ihre Geduld und Ihr Durchhaltevermögen. Sie fühlen sich motivierter, haben klarer vor Augen, wo Ihr Ziel liegt. Auf das können Sie dann mit immer neuen Ideen zusteuern. Und wenn Sie zusätzlich durch Übung Ihre Fähigkeiten verfeinern, machen Sie unweigerlich bald bessere Bilder.

Ein wichtiger Anwendungsbereich des Flows ist die gesteigerte Kreativität. Dank ihr entwickeln Sie fokussierter ausgefallene Ideen, konzipieren neue Serien, überlegen ungewohnte Perspektiven. Im Flow können Sie gezielt darauf hinarbeiten, wirklich neuartige Fotos zu machen, gute Ideen zu haben und diese auch in die Tat umzusetzen. Außerdem kommt es nicht nur auf die Qualität des Fotos selbst, sondern auch auf die Aussage und die transportierte Stimmung an. Diese Qualität erreichen Sie, wenn besondere Hingabe und Konzentration in Ihre Bilder einfließen und Sie Ihre innere Stimme sprechen lassen. Sie tragen Gesehenes und Erfahrenes zusammen und entwickeln Gedanken und Inhalte weiter. Sie spüren Lust, Ausdauer und Motivation für das Aufbauen neuer Ideen. Sie fühlen sich beflügelt und setzen Suchergebnisse neu zusammen. Damit befeuern Sie Ihre Kreativität, finden neue Themen und erkennen, wie Sie tiefgründigere Bilder machen können. Sie entwickeln ein Konzept und durch systematisches Suchen gelangen Sie gezielt zu frischen Ansätzen.. Diese ständige Suche, in der alle Kreativen sich wahrscheinlich irgendwann wiederfinden, wird durch eine geduldige Zeit des Fleißes befördert. Der Flow steigert Ihre Geduld um ein Vielfaches und die „Spaßbremse Fleiß“ wird dadurch abgepuffert.

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Durch Flow und Muße zur Einzigartigkeit

D a ist also dieser magische Flow, der Sie motiviert, sich gezielt weiterzuentwickeln und immer neue kreative Herausforderungen zu suchen und zu entdecken. Wie können Sie nun all das neu Erlernte dauerhaft festigen? Wie gelingt es Ihnen, immerzu in den Flow zu gelangen, selbst wenn Sie sich rasend schnell entwickeln und immer höher, schneller, weiter brausen? Gibt es da nicht irgendwann ein Limit?

Es gibt sicher eine Begrenzung. Auch wenn ich noch nie von einem fotografischen Burnout gehört habe – Sie können sich auch hier überfordern. Es wird nicht dauerhaft gut gehen, wenn Sie immer nur auf Leistung und Fokussierung bedacht sind, und dafür Ihre Kreativität auspressen, um immerzu ein noch höheres Niveau zu erreichen. Streben Sie die stetig langsam köchelnde Inspiration an. Für Ihre Glücksgefühle in der Fotografie und letztendlich für Ihr Wohlbefinden ist eine konstante geschmeidige Entwicklung viel erfüllender als das gewollte schnelle Weiterkommen. Bleiben Sie nie stehen, aber rasen Sie auch nicht.