c't Fotografie 2/2021
S. 10
Spotlight

SPOTLIGHT

AUS DER KUNST- UND KULTURSZENE

Auch während der Pandemie gibt es spannende Fotoprojekte: In Berlin entsteht eins der international größten Fotomuseen. In Köln erinnern die Fotos von Larry Fink an ausgelassene Partyzeiten und ein Pilot mit Fotoambitionen lädt zu einer virtuellen Ausstellung ein.

Neues Fotomuseum für Berlin

Das geplante Fotomuseum von Yoram Roth wird ins Tacheles ziehen, ein ehemaliges alternatives Kunstzentrum, das zurzeit saniert wird. Foto: bloomimages, pwr development, Fotografiska

In Berlin soll mit dem Fotografiska eins der größten Fotomuseen der Welt eröffnen. Die Location dafür liegt zentral in der Hauptstadt: im Stadtquartier Tacheles, das zurzeit modernisiert wird. Älteren Semestern ist das Tacheles oft noch ein Begriff; das gleichnamige Kunsthaus war bis 2012 ein bekanntes alternatives Kunst- und Veranstaltungszentrum in einem sanierungsbedürftigen ehemaligen Kaufhaus, das 1990 gesprengt werden sollte.

Es lief anders: Eine Künstlerinitiative besetzte die Ruine über Jahrzehnte, 2012 kam es zur Zwangsräumung. Zwei Jahre später kaufte die New Yorker Vermögensverwaltung Perella Weinberg Partners das Tacheles-Gelände. Es soll eine Mischung aus hochpreisigen Büros, Eigentumswohnungen und Läden entstehen. Kultur spielt dort auch eine Rolle. Der Berliner Unternehmer und Fotograf Yoram Roth (Jahrgang 1968) will Ende 2022 ein modernes Fotomuseum eröffnen. Die Pläne sind ambitioniert: „Fotografiska wird das ehemalige Kunsthaus Tacheles mit insgesamt rund 5.500 Quadratmetern Fläche für das Fotomuseum nutzen.“ Es wird als „ein Museum der nächsten Generation“ angekündigt, weiter heißt es „Fotografiska will keine Kunst in stillen, geheiligten Hallen beherbergen, sondern ein lebendiges, kreatives Wechselspiel und einen konstruktiven Dialog mit der Gemeinschaft fördern.“ Dafür sollen unter anderem Events wie Künstler-Talks und DJ-Abende, häufig wechselnde Ausstellungen, eine Fotoakademie, ein Museumsshop und ein Fotostudio sorgen. Die Öffnungszeiten sollen bis in die Nacht gehen. Zu dem Museum gehört auch ein Restaurant. Das Museum sammelt, kauft oder verkauft keine Fotokunst – Konkurrenz zu klassischen Galerien wird so vermieden. Die Ausstellungsstücke stellen die Künstler oder ihre Repräsentanten zur Verfügung. Fotografiska soll über die Eintrittsgelder einen signifikanten Teil der Einnahmen einspielen.