c't Fotografie 4/2021
S. 166
Fotostadt
Prag
Bild: Prague City Tourism
Kilian Kirchgeßner

FOTOSTADT PRAG

Gotik, Barock, Brutalismus: Allein schon wegen des einzigartigen Mixes der Architekturstile wäre Prag eine Reise wert. Dazu gibt es dort das vielleicht beste Bier der Welt. Die Hauptstadt der Tschechen hat für Fotografen aber noch viel mehr zu bieten.

Es gibt dieses geflügelte Wort, das Prag zum Ziel von Gästen aus aller Welt macht: Auf einem einzigen Platz in der Altstadt, so lautet es, lässt sich die gesamte Geschichte der europäischen Architektur besichtigen. Und tatsächlich stehen hier romanische Kapellen, gotische Wohnhäuser, barocke Adelspaläste und Konzerthallen im Jugendstil so dicht beieinander, dass sich Besucher vorkommen wie im Freilichtmuseum. Ein Paradies für Fotografen ist Prag wegen dieser Vielfalt, aber es geht nicht nur um Architektur: Das kulturelle Leben mit seinen Jazzclubs, klassischen Konzerten und Open-Air-Festivals bietet ebenso Motive wie die böhmischen Bierkneipen und die Kaffeehäuser mit ihrem Charme aus der Epoche des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs.

Ungewöhnliches Bauwerk: der 1992 eröffnete Fernsehturm.
Bild: Prague City Tourism

Die Klassiker

Für Aufnahmen in den berühmtesten Winkeln der tschechischen Hauptstadt sollten Fotografen früh aufstehen: Die Karlsbrücke zum Beispiel ist tagsüber dermaßen voll, dass die barocken Statuen hinter den Touristenmassen regelrecht untergehen. Am frühen Morgen aber, kurz nach Sonnenaufgang, bietet sich ein unvergleichlicher Blick, der von hier aus bis zu den Türmen der Altstadt oder auf die markante Silhouette der Prager Burg hoch über der Stadt fällt. Apropos Türme: „Die hunderttürmige Stadt“ – das ist noch so ein Beiname von Prag und tatsächlich ist die ganze Altstadt voller alter Wach- und Kirchtürme, selbst viele Wohnhäuser sind zur Zierde mit kleinen Türmchen geschmückt. Die beste Aussicht für Panorama-Fotos gibt’s auf dem Altstädter Rathausturm, von dem aus einem der berühmte Altstädter Ring zu Füßen liegt. Und großartig ist auch der Turm der barocken Nikolauskirche auf der Kleinseite, das ist ein Stadtteil im Zentrum. Die Plattform dort oben nutzte im Kommunismus (1948 bis 1989) die Geheimpolizei, weil sie von dort aus sämtliche Botschaftspaläste der westlichen Mächte perfekt im Blick hatte.