c't Fotografie 4/2021
S. 162
Buchkritiken

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Tango in the Big Mango

Hatje Cantz

Bangkok gilt vielen auswärtigen Besuchern als raue Metropole, in der sie sich ihre Vorurteile bestätigen lassen. Der Fotograf Peter Nitsch nähert sich dem Wesen der asiatischen Mega-City (fast 15 Millionen Einwohner in der Metropolregion) mit der Kamera. Der in Bangkok lebende Fotograf hat mit seinem Bildband ein Archiv seiner Streifzüge durch die thailändische Hauptstadt geschaffen, das den westlichen Blick mit der Wahrnehmung eines Einheimischen kombiniert. Für seine Bilder versucht er alle technischen Einflüsse, die die Rezeption beeinflussen, auszublenden. Trotzdem inszeniert er viele Aufnahmen und nimmt sich immer wieder künstlerische Freiheiten, indem er etwa einen Golden Boy – eine in Folie gewickelte Person – in seine Arbeiten integriert. So sucht er den besonderen Augenblick in dieser Stadt der Gegensätze.

Seine Fotos hat er in drei thematische Serien eingeteilt: Gier, Wachstum und Angst. Diese bilden, jede für sich, die gegensätzlichen Pole von thailändischer Tradition und großstädtischem Modernismus ab. Gleich zu Beginn des Bildbands wird der Betrachter mit der einschüchternden Realität der globalen Pandemie konfrontiert. Nitschs erste Bilderserie wirft einen Blick auf Helfer in Schutzkleidung und zeigt die entmenschlichte Tristesse eines Lebens in Quarantäne in einer Großstadt. Fotos des hippen Großstadt-Bewohners folgen Aufnahmen gebeugter, alter Menschen. Und so entfalten die Bilder ihre Kraft über die Gegensätze: Buddhistische Schreine treffen auf moderne Einkaufszentren, schrottreife Autos auf aktuelle Sportwagen.

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National Geographic

Die schönsten Landschaften unserer Erde

National Geographic

In einer vollständig überarbeiteten Neuauflage präsentiert National Geographic seinen Bildband Die schönsten Landschaften unserer Erde. Der Titel verrät, was den Betrachter erwartet: 400 Seiten mit begeisternden Landschaftsfotografien. Im Vorwort berichtet der Fotograf George Steinmetz von seiner Motivation Fotograf zu werden. Es war Neugier und Entdeckerdrang, die ihn mit jungen Jahren per One-Way-Ticket aus der beschaulichen kalifornischen Vorstadtkulisse zuerst nach Europa und dann weiter nach Afrika trieben. Er wollte die fremden Regionen der Erde kennenlernen, die er nur aus der National Geographic kannte. Die Fotografie hat er sich unterwegs erarbeitet. Mittlerweile ist er seit 30 Jahren für das Magazin tätig, das seine Neugier weckte, die bis heute anhält.

Die Iguazú-Wasserfälle in Brasilien gehören zu den bekannteren Motiven im Buch. Ähnlich eindrucksvoll sind die anderen Bilder im Buch.
Bild: National Geographic

Der Bildband lebt diese Begeisterung mit Fotografien der unterschiedlichsten Topfotografen. Diese sind weltweit unterwegs und füllen die nach den Jahreszeiten aufgeteilten Kapiteln mit teils atemberaubenden, teils ungewöhnlichen Aufnahmen. Dabei bietet das Buch Landschaften, Tierporträts, aber auch Großstadtpanoramen. Die Bilder erzählen Geschichten, während sich die Bildunterschriften nur auf den Ort und das Motiv beschränken. Kurze Texte zwischendurch liefern Berichte zu den Aufnahmen und der Motivation der Fotografen. So werden die Fotos emotional noch greifbarer. Kritische Töne werden dabei ausgeblendet, das Buch zeigt nur das Schöne unserer Welt und ist damit eine Wohltat in unruhigen Zeiten mit sozialen Krisen und zerstörten Ökosystemen. Auch wenn das Reisen langsam wieder möglich ist, mit Die schönsten Landschafen unserer Erde kann man vom heimischen Sofa aus in kürzester Zeit Traumziele nah und fern entdecken und das ganz ohne Flugscham und Infektionsrisiko. Einige Fotospots hat man so ähnlich schon gesehen, der Bildband bietet aber durchgehend eine hervorragende Qualität und fängt auch das ein oder andere unbekannte Naturschauspiel ein.