c't Fotografie Ideen Heft 7/2021
S. 82
Lochkamera
Aufmacherbild

Die digitale LOCHKAMERA

Lochkameras faszinieren die Menschen schon seit Jahrhunderten. Michael Jordan erklärt in seinem Workshop, wie Ihnen mit einer normalen Digitalkamera ohne Objektiv experimentelle Lochkamerafotos gelingen.

Die vermutlich erste Fotografie entstand vor knapp zwei Jahrhunderten mit einer Camera Obscura, einer Lochkamera. 1826 hielt der französische Erfinder Joseph Nicéphore Niépce (17651833) in einer mehrstündigen Belichtung den Blick aus seinem Arbeitszimmer fest. Das legendäre Foto ist bis heute erhalten, es befindet sich seit den 1960er-Jahren im Besitz der University of Texas. Wäre es keine spannende Idee, auf den Spuren des großen Fotopioniers zu wandeln? Experimente mit der Lochkamera haben ihren speziellen Reiz und sie sind einfach und schnell umzusetzen. Hier erkläre ich im Detail, wie Sie vorgehen können. Vorteilhaft: Bei meiner digitalen Variante benötigen Sie keine Fotochemikalien oder eine stundenlange Belichtungszeit wie Niépce seinerzeit; mit viel Licht und hohen ISO Werten gelingen sogar verwacklungsfreie Aufnahmen aus der Hand.

Ich nehme an, dass ich für meine Version der digitalen Lockkamera keine Designpreise bekommen werde. Wenn Sie eine elegantere Lösung bevorzugen und etwas mehr Aufwand betreiben möchten, können Sie einen Gehäusedeckel umrüsten. Bohren Sie eine fünf bis 10 Millimeter große Öffnung in dessen Mitte und kleben Sie dann eine Folie mit einem kleinen Loch darauf.

Je kleiner die Öffnung ist, durch die das Licht fällt, desto länger müssen Sie die Aufnahme belichten. Das Prinzip kennen Sie von der Blendeneinstellung Ihrer Kamera. Das spricht dafür, die Öffnung zu vergrößern. Andererseits ist die Abbildungsqualität bei einem kleineren Durchmesser besser. Das Bild ist schärfer. Verwenden Sie anstelle einer Nadel eine Stricknadel, wird die Abbildung unscharf. Davon unberührt bleibt jedoch die Farbwiedergabe, die gleichermaßen gut ist.