c't Fotografie Ideen Heft 7/2021
S. 64
Indirektes Blitzen
Aufmacherbild

BOUNCE FLASH das perfekte Immer-dabei-Licht!

Sie sind mit kleinem Besteck unterwegs und möchten dennoch schöne Bilder mit Schmeichellicht machen? Der direkte Kamerablitz verbietet sich dann leider, denn die Ergebnisse schauen eher aus wie Fahndungsfotos. Eine entfesselte Softbox wäre prima, aber leider liegt sie zu Hause im Schrank. Jetzt schlägt die Stunde des indirekten Blitzens!

Vom indirekten Blitzen oder Bounce Flash (to bounce: abprallen lassen, zurückwerfen) spricht man, wenn man den Blitz „über die Bande“ spielt. Man richtet ihn dann nicht wie sonst üblich zum Motiv, sondern gegen die Decke, gegen eine benachbarte Wand oder gegen eine andere Fläche in der Nähe. So wird diese Fläche zu einer neuen, viel größeren Lichtquelle, die noch dazu aus einer anderen Richtung kommt. Das Licht wird dadurch viel vorteilhafter. Wer im indirekten Blitzen ein wenig geübt ist, der kann tatsächlich nur mit dem Blitz auf der Kamera eine Lichtwirkung erzeugen, die der einer Softbox kaum nachsteht.

Making-of zum Aufhänger: Eine erste Aufnahme ohne Blitz, ein sogenannter Schwarzschuss, zeigt, wie das Tageslicht auf Anelisa und das Kunstlicht durch das Gitter wirken.

Die Kamera sollte man beim indirekten Blitzen manuell einstellen und dann einen Schwarzschuss ohne Blitz aufnehmen. Nur so kann man den Einfluss des Umgebungslichts perfekt beurteilen und dann Blende-ISO-Zeit gegebenenfalls nachtrimmen. Je nach Art der Aufnahme kann man so das Umgebungslicht komplett ausblenden, indem man die Belichtungszeit auf die Blitzsynchronzeit stellt. Oder – für mehr Atmosphäre – kann man das Umgebungslicht durch eine längere Belichtungszeit auch einbeziehen.

Keine Softbox zur Hand? Dann nehmen Sie doch einfach den Aufsteckblitz und lenken ihn über eine Wand in der Nähe um. Wenn der Winkel stimmt, fällt die Wirkung ganz ähnlich aus.

Den Blitz kann man auf TTL stellen und dann über die Blitzbelichtungskompensation (FEC) nachtrimmen. Alternativ stellt man den Blitz schlicht manuell ein. Die manuelle Einstellung setzt etwas Übung voraus und braucht selbst dann noch ein, zwei Probeschüsse. Dafür erhält man aber mehr Kontrolle, konstantere Ergebnisse und spart sich den sonst immer wieder notwendigen Abgleich per FEC.