c't Fotografie Ideen Heft 7/2021
S. 36
Teekristalle fotografieren
Aufmacherbild
Vollformat | 100 mm | ISO 100 | f/8.0 | 1/25 s | Stativ

TEELANDSCHAFTEN

Erzeugen Sie mit Tee und kalkhaltigem Wasser abstrakte Strukturen, die an die Oberfläche entfernter Planeten oder geothermaler Quellen erinnern. Gestalten Sie damit schillernde Bilderwelten.

Alle, die gerne Tee trinken, kennen das Phänomen: Man stellt sich eine blütenreine, weiße Teetasse bereit, bringt das Wasser auf die richtige Temperatur, gießt den Tee mit viel Gefühl auf, und dann das: Erste Flocken breiten sich aus, der Tassenrand wird dunkel und anstelle einer goldgelb leuchtenden, klaren Flüssigkeit entwickelt sich eine mehr oder weniger trübe Suppe, gekrönt durch einen öligen Film auf der Oberfläche. Der Grund: Das Wasser hat zu viele Mineralien. Die darin enthaltenen Kalzium- und Magnesiummoleküle gehen mit den Gerbstoffen des Tees eine wasserunlösliche Verbindung ein, die wie ein dünner Ölteppich auf dessen Oberfläche schwimmt.

Bei Schwarz- und Grüntee mit ihrem hohen Gehalt an Tanninen ist das besonders ausgeprägt, Früchtetees enthalten dagegen kaum Gerbstoffe und bilden somit auch keinen Ölfilm. Möchten Sie den folgenden Workshop durchführen, besorgen Sie sich also mineralhaltiges Wasser und Schwarz- oder Grüntee. Verzichten Sie auf Wasserfilter, die die Mineralien aus dem Wasser ziehen, oder die Zugabe von Zitronensaft, denn dadurch wird die chemische Reaktion vermindert. Der aus kulinarischer Sicht unschöne Teefilm hat – fotografisch betrachtet – einiges zu bieten. Bei gut gesetztem Licht entfalten sich einerseits wunderbar schillernde Farben. Andererseits bilden die Risse und Falten auf dem dünnen Ölfilm Strukturen, die an Landschaften ferner Planeten erinnern. Ähnlich wirken auch Formationen, die beim Blick von oben auf geothermale Quellen zu beobachten sind, à la Morning Glory Pool aus dem Yellowstone-Nationalpark.

Am besten fangen Sie die strukturbetonten, abstrakten Motive ein, indem Sie diese mit einer Fokusreihe durchfokussieren. Nach dem Fusionieren der Bilder mittels Focus Stacking wird die gesamte Bildfläche knackig scharf aussehen.