c't Fotografie Ideen Heft 7/2021
S. 26
Motive finden und gestalten
Aufmacherbild
Dampfendes Wasser an der Tauber kurz vor Sonnenaufgang Nikon D850 | 14 mm | ISO 64 | f/9.0 | 1/15 s

Frühlingslicht einfangen

Mit dem Frühling werden die Tage wieder länger. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind aber noch hoch und sorgen für häufige Wetterwechsel. Diese bringen dampfende Gewässer am Morgen und einen dramatisch gefärbten Himmel mit sich. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die perfekten Bedingungen für stimmungsvolle Fotos finden.

Langsam befreit sich zum Frühlingsbeginn die Landschaft vom Winter und das Wetter wird weniger trüb und dunkel. Mit dem „Aprilwetter“ hat der Frühling klimatisch sogar sein eigenes, besonderes Phänomen im Schlepptau. Verursacher ist die große Menge an kalter Luft, die noch immer nördlich des Polarkreises darauf wartet, erwärmt zu werden. Gerade erst aus der Polarnacht erwacht, ist es im Hohen Norden noch bitterkalt. Der hohe Sonnenstand in Mitteleuropa heizt der Landmasse hingegen ordentlich ein. Ein hoher Konturkontrast entsteht. So können an manchen Frühlingstagen sogar 30 Grad Celsius erreicht werden und nur kurz darauf kommt der Nachtfrost zurück. Diese Temperaturunterschiede sind der Antrieb für häufigen Wetterwechsel. Viele Tiefdruckgebiete bringen mal kalte, mal warme Luftmassen zu uns nach Deutschland. Zwei besondere Phänomene gehen damit einher: dampfende Gewässer am Morgen nach kalten Nächten und häufige Himmelsröte durch die vielen Wetterfronten. Das Frühlingslicht lässt sich für ganz besondere Fotografien nutzen.

Wenn das Wasser dampft

Das dampfende Wasser am Morgen steht im Kontrast zur Himmelsröte, für die der Himmel bewölkt sein muss. In kalten, sternenklaren Frühlingsnächten suchen Sie, um dieses Phänomen zu fotografieren, ruhig fließende oder stehende Gewässer auf. Ist die Lufttemperatur deutlich kälter als das Wasser, beginnt dieses zu dampfen. Für gewöhnlich ist das für das Auge unsichtbar, denn Wasser verdampft die ganze Zeit an der Oberfläche des Gewässers. Ist das Wasser jedoch wärmer als die Luft, erwärmt es die feine Luftschicht, die die Wasseroberfläche berührt. Wie über einem Kochtopf möchte diese nun aufsteigen, denn sie hat eine höhere Temperatur als die Luftschicht darüber. Während sie aufsteigt nimmt sie den Wasserdampf von der Oberfläche des Wassers mit hinauf und durchmischt sich wieder mit der kalten Luft weiter oben. Durch dieses Mischen kondensiert der Wasserdampf sofort zu Nebel – feine, schwebende Wassertröpfchen. Genau das gleiche beobachten Sie, wenn Sie Wasser kochen. Kalte Luft kann nämlich weniger Wasserdampf halten als warme Luft, deshalb wird daraus beim Abkühlen wieder flüssiges Wasser in Form winziger, schwebender Nebeltropfen. Die Vorhersage dieses Phänomens ist recht einfach. Zunächst müssen Sie die Wassertemperaturen der Gewässer in Ihrer Umgebung herausfinden. Die großen Seen und Flüsse in Deutschland haben hierzu ein dichtes Messnetz. Googeln Sie einfach den Namen des nächstgrößeren Flusses bei Ihnen um die Ecke und Sie werden fündig. Zum Beispiel: „Temperatur Elbe Hamburg“. Diese Temperatur können Sie dann stellvertretend für alle Gewässer in der Umgebung verwenden.