c't Fotografie Ideen Heft 7/2021
S. 10
Waldfotos
Aufmacherbild
Der Winter bietet spektakuläre Möglichkeiten für die Waldfotografie. Besonders in höheren, exponierten Lagen, wo der Wind Schnee und Eis in den Wald bläst, können Szenen wie aus einem Märchen entstehen. Eis und Schnee machen dieses Waldfoto vom Großen Arber (Bayern) aus. Die monotonen Farben reduzieren das Motiv auf die Formen und Strukturen. Der Waldboden wirkt durch die Schneedecke aufgeräumt und die vereisten Bäume bilden einen natürlichen Rahmen, der den Blick auf den dahinteliregenden Wald freigibt. Ich habe eine tiefe Perspektive gewählt und dabei darauf geachtet, dass der Mittelgrund im Wald nicht verlorengeht. Canon 5DS R | Canon 16-35 mm f/4 IS | 16 mm | ISO 100 | f/11 | 1/15 s

Märchenhafte WALD FOTOS

Der Wald hat seine eigene Faszination und bietet Fotografen jede Menge spannende Motive. Um die zu entdecken, braucht es das passende Mindset und etwas Hintergrundwissen. Naturfotograf Michael Breitung erklärt im Detail, wie er auf seinen Fototouren Motive findet.

Dieses Foto entstand an einem kalten Herbstmorgen. Die Bäume hatten schon die Blätter abgeworfen und das Licht war nicht ideal für die Waldfotografie – die Kontraste zwischen Wald und Himmel waren zu stark. Auf dem Waldboden hingegen gab es einiges zu entdecken. Ich suchte die Ordnung im Chaos. Das Ahornblatt, umgeben von kleineren Blättern, zieht den Blick des Betrachters auf sich und erzeugt diese Ordnung. Canon R5 | Canon RF 15-35 mm f/2.8 L IS | 35 mm | ISO 100 | f/9.5 | 1,5 s

Kaum eine Landschaftsform bietet so viele Fotomotive wie der Wald. Aber er wirkt oft chaotisch, sodass die Suche nach geeigneten Kompositionen meist viel Geduld erfordert. Finden Sie jedoch Ordnung im Chaos, so können faszinierende Aufnahmen entstehen. Fernreisen sind nicht nötig, was gerade zur jetzigen Zeit von Vorteil ist. Es gibt in fast jeder Region Waldgebiete, in denen es sich lohnt, nach Motiven zu suchen. Ich bin Landschaftsfotograf und zeige in diesem Artikel, wonach ich unterwegs Ausschau halte, warum ein kalter, nasser Morgen genau das richtige Fotowetter bietet und wie mit der richtigen Technik detailreiche Fotos gelingen.

Den Wald kennenlernen

Geeignete Motive im Wald zu finden, ist zeitaufwendig. Besonders die deutschen Mischwälder wirken oft strukturlos, der Waldboden unaufgeräumt. Das erschwert die Suche nach Kompositionen. Auch die Monotonie der Nadelwälder macht es nicht einfacher. Hier herrscht zwar etwas mehr Ordnung, doch mangelt es an besonderen Bäumen „mit Charakter“. Am leichtesten gestaltet sich die Motivsuche in Buchenwäldern. Buchen sind Bäume, die nur wenig Unterwuchs zulassen. Deshalb wirkt der Waldboden in Buchenwäldern aufgeräumt, was es leichter macht, Kompositionen zu finden. Doch auch dort müssen Sie sich die Motive erarbeiten. Es braucht Zeit, um den Wald genauer kennenzulernen. Ich kehre, wenn möglich, mehrmals zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten zurück und ich scheue nicht davor, an regnerischen Tagen auf Erkundungstour zu gehen. Zudem halte ich Ausschau nach markanten Bäumen, die aus der Umgebung herausstechen. Die eignen sich als Hauptmotiv – so entsteht ein klarer Fokus im Foto. Bäume, deren Äste sich in verschiedene Richtungen schlängeln, lassen sich hervorragend mit einem Weitwinkelobjektiv in Szene setzen und hervorheben. Freiliegende Wurzeln können als Vordergrund dienen. Äste und Wurzeln bilden die Führungslinien, die den Betrachter ins Bild ziehen, wie das im Foto aus dem Gorbeia Naturpark (Spanien) zu sehen ist.