c't Fotografie 5/2022
S. 16
Portfolio
María Tudela
Alle Bilder: María Tudela
Judith Hohmann

Portfolio

María Tudela

Abgewandt, allein und trüb – über allem schwebt die Einsamkeit: In ihrer Bilderreihe „Graue Seelen“ setzt sich María Tudela mit Entfremdung und Selbstbezogenheit in westlichen Gesellschaften auseinander.

María Tudela fotografiert melancholische Motive, um ihre Betrachter zum Nachdenken anzuregen.
María Tudela fotografiert melancholische Motive, um ihre Betrachter zum Nachdenken anzuregen.

Melancholische Kunst regt zum Nachdenken an, sei es in der Musik, in der bildenden Kunst oder in der Fotografie. Sie setzt einen Kontrapunkt zur perfekten Scheinwelt, mit der soziale Medien die Köpfe ihrer Betrachter fluten. Melancholische Werke zu betrachten, bedeutet somit auch, der Realität nicht zu entfliehen, sondern sich aktiv mit ihr auseinanderzusetzen. Ein persönlicher Zugang gelingt häufig dann, wenn die Werke abstrakt bleiben. Den Betrachtenden fällt es leichter, sich in undefinierte Figuren hineinzuversetzen, die losgelöst von Alter, Geschlecht oder anderen eindeutigen Merkmalen auftreten. Für ihre Bilder sucht María Tudela deshalb eine Mischung aus Abstraktem und Bekanntem und die findet die Fotografin Tudela in ihrer spanischen Heimat, dem südöstlich gelegenen Murcia – einer Region im Dauersommer.

Sandfarbene Bogengänge und imposante Kastelle aus dem 13. Jahrhundert, die Straßen gesäumt von Orangenbäumen. María Tudela lebt in Lorca, unweit der beliebten Küstenorte, die Jahr für Jahr unzählige Touristen locken. Doch bei strahlendem Wetter und Feierlaune lässt sie ihre Kamera liegen. Erst wenn Regen oder Nebel vom Meer heraufziehen, stimmen die Gegebenheiten, die sie für ihre bedrückenden Bilder sucht.