c't 12/2016
S. 182
Buchkritik
Hatespeech

Mit Hass im Netz umgehen

In unserer einst so gepriesenen Konsensgesellschaft wird derzeit gepöbelt, polarisiert und beleidigt, was das Zeug hält. Dass der Diskurs in Online-Foren von Medienhäusern und natürlich auf Facebook besonders Hass-getrieben läuft, ist kein Zufall. Warum das so ist und was man dagegen unternehmen kann, zeigt die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig auf.

Wirklich neue Erkenntnisse zum Thema liefert Brodnig dabei nicht, aber sie fasst den Forschungsstand, angedickt mit einigen Studienergebnissen aus den letzten Jahren, kenntnisreich zusammen. Als Ursachen des sich aufschaukelnden Hasses im Netz nennt sie den Confirmation Bias, die Echokammer-Situation und das Filterblasen-Phänomen in den sozialen Netzen – die üblichen Verdächtigen also. Außerdem bezieht sich die Autorin auf Erkenntnisse aus ihrem vorherigen Buch „Der unsichtbare Mensch“. Darin hatte sie die fehlende Empathie als Ursache dafür ausgemacht, warum Debatten im Internet schneller entgleisen: „Das Gefühl der Unsichtbarkeit enthemmt uns“. Brodnig spricht von der „toxischen Enthemmung“, die entsteht, wenn man sein Gegenüber nicht in allen kommunikativen Facetten, also etwa mit Mimik, Gestik und Stimme, wahrnehmen kann.

Sie teilt die Hass-Redenden in zwei Kategorien ein: Die „Trolle“ wollen – mitunter sogar aus purem Sadismus – provozieren, etwa mit bewusst falschen Gerüchten. Die „Glaubenskrieger“ agieren aus Überzeugung.

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