c't 12/2016
S. 140
Praxis
Aufnahmetechnik: Sprache und Gesang
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Aufnahme läuft!

Professionelle Sprach- und Gesangsaufnahmen mit bezahlbarem Aufwand

Ob YouTube-Kommentar, eigenes Hörbuch oder Gesangs-Demo: Für gelungene Aufnahmen braucht man neben einem Recording-Programm nicht nur einen geeigneten Raum, sondern auch das passende Equipment – und ein paar Tipps und Tricks für das optimale Ergebnis.

Man nehme ein Mikrofon und kopple es an einen Rechner an, dazu eine Recording-Software und jemanden, der spricht oder singt. Wer auf diese schlichte Art zu perfekten Aufnahmen gelangt, darf sich glücklich schätzen. Oft weisen die Resultate aber den topfigen Klang eines normalen Wohnzimmers auf, dazu knallende Plopp-Laute bei Wörtern, die mit P anfangen, und krachend übersteuerte, zu laute Passagen im Wechsel mit verrauschten flüsterleisen Stellen. Doch mit systematischem Vorgehen – von außen nach innen, vom Raum übers Mikrofon bis in den aufnehmenden PC – kann man die eigenen Aufnahmen perfektionieren.

Unerwünscht räumlich

Vor allem anderen entscheidet der Raum über das Ergebnis: Eine hässliche Akustik lässt sich in der Aufnahme nachträglich so gut wie nie mehr retten.

Das klangliche Ideal ist einfach beschrieben: draußen. eine weite Wiese (ohne Autobahn in 50 m Entfernung) bei Windstille. Also nicht muffig-dumpf wie ein vollgestopfter Kleiderschrank, topfig wie ein kleines WC oder hallig wie eine leere Garage. Entscheidend bei Räumen sind Innenausstattung, Wände und Fensterflächen, Decken und Fußboden und ihre Art, Schall zu reflektieren – je nach Tonhöhe unterschiedlich stark und mit unterschiedlicher Ausbreitungsrichtung.

Je weniger Schall reflektiert wird, desto besser. Dumm nur, dass kein Wohnzimmer wie ein Tonstudio klingt. Dann hilft es, den „akustischen Raum“ klein zu machen. Teppichboden ist dabei nützlich, ein dicker Teppich aber besser. Der großflächige Kleiderschrank macht sich akustisch besser mit offenen Türen, ein unordentliches Bücherregal besser als die Spiegelwand. Keineswegs schaden wird eine Plüschdecke an der Wand hinter und vor der Aufnahmeposition und eine flauschige Decke auf der Tischplatte, dazu viele Kissen und weiche Vorhänge vor den Fenstern und Türen.

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