c't 13/2016
S. 96
Know-how
Datenrekonstruktion
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Mikro-Entlöscher

High-Tech-Möglichkeiten zur Rekonstruktion überschriebener Daten von Festplatten

Das Paper, das Peter Gutmann und Colin Plumb im Jahre 1996 veröffentlichten, schlug damals ein wie eine Bombe. Es berichtete über Wiederherstellungsmöglichkeiten mit Scan Tunnel Microscopy (STM) und insbesondere mit Magnetic Force Microscopy (MFM) von gelöschten Daten und empfahl zum Löschen bis zu 35-faches Überschreiben.

Secure Deletion of Data from Magnetic and Solid-State Memory, so hieß das schnell berühmt gewordene Papier, in dem Gutman und Plumb über Erfolge mit MF-Mikroskop-Aufnahmen berichteten, in denen man nach einem Überschreiben auf damalige MFM/RLL-Festplatten noch zahlreiche Reste von der vorherigen Magnetisierung an den Rändern nachweisen konnte, sogenannte Schattendaten (alle im Beitrag erwähnten Studien, Papers und Maßnahmenkataloge finden Sie über den c’t-Link am Ende des Artikels).

Das Mikroskop namens MFM hat dabei übrigens mit dem Kodierverfahren MFM (Modified Frequency Modulation) außer der gleichen Abkürzung nichts zu tun. Als Ergebnis ihrer Studie hielten die Autoren fest, dass selbst ein beliebig häufiges Überschreiben nicht unbedingt alle Reste tilgt, dass aber ein 35-faches Überschreiben mit bestimmten zum Encoding passenden Mustern und Zufallsdaten praktisch ausreichen sollte, da es den Aufwand für einen potenziellen Angreifer extrem hochtreibt. Und diese Empfehlung des 35-fachen Überschreibens ist anschließend weltweit in vielfältige Verordnungen zum sicheren Löschen eingeflossen. Auf die 35 kam Gutmann aber nur, weil er alle möglichen damals verbreiteten Kodierungen berücksichtigte und einfach für jede einige optimale Muster einbezog.

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Die Bitdichte auf Festplatten stieg bis etwa 2010 exponentiell, seitdem geht es nur noch langsam voran. Quelle: Ed Grochowski, IBM