c't 14/2016
S. 34
News
Apple

Apples neues macOS Sierra: Mehr Continuity

Apple hat Mitte Juni die diesjährige Entwicklerkonferenz WWDC genutzt, um im Rahmen der Eröffnung zahlreiche neue Programme vorzustellen – Apps und vor allem Betriebssysteme. Ab September kann man mit Apples nächster Auflage seines PC- und Laptop-Betriebssystems rechnen (Version 10.12 alias Sierra). Statt wie bisher OS X wird dieser Betriebssystemzweig dann macOS heißen.

Sierra bekommt als erstes Desktop-Betriebssystem von Apple die Sprachassistentin Siri. Sie hört auf Sprachkommandos, beispielsweise zum Steuern der Musikanwendung iTunes. Auch durchsucht Siri auf Wunsch lokale Datenbestände. Fundstellen kann der Anwender per Drag & Drop in Dokumente ziehen oder in der Mitteilungszentrale zwischenlagern.

Continuity, ein Sammelsurium aus Funktionen zur Zusammenarbeit von Macs und anderen Apple-Geräten, wird erweitert. Macs mit macOS Sierra soll man mit einer Apple Watch automatisch entsperren können (Auto Unlock). Das Universal Clipboard teilt die Zwischenablage von Mac und iPhone oder iPad via iCloud, Dokumente und Desktop-Inhalte lassen sich auf Wunsch automatisch über die Cloud unter den Geräten einer Apple-ID synchronisieren. Bezahlvorgänge, die man auf dem Mac im Desktop-Browser Safari startet, lassen sich per Fingerabdruck auf einem iOS-Gerät abschließen (Apple Pay, in Deutschland bisher nicht eingeführt).

Apples Mac-Betriebssystem wird langsam erwachsen: macOS Sierra lernt offenbar, hinter sich aufzuräumen und alte Dateien zu löschen.

Sierra ist auch Apples erste OS-Version, die umfassend hinter sich aufräumt: Sie löscht selbstständig Cache- und Log-Dateien, Installationspakete, Foto-Miniaturen, iPhone-Backups oder auch Papierkorbinhalte, die älter als 30 Tage sind. Weniger wichtige Dokumente kann man in die Cloud auslagern; auf dem Mac werden sie durch Platzhalter gekennzeichnet.

Der systemeigene Video-Abspieler bekommt eine Bild-in-Bild-Funktion und die Fenster aller Apps soll man in Tabs organisieren können; Entwickler müssen dafür keinen Finger rühren. Außerdem werden in Sierra diverse System-Anwendungen weiterentwickelt. Beispielsweise soll die Foto-App Gesichter, Szenen und Objekte erkennen, iTunes bekommt ein optimiertes User-Interface.

Für etliche Spezialitäten war während der Eröffnungsveranstaltung keine Zeit übrig. Dazu zählt das neue Apple File System (APFS), das sich besonders gut für SSDs eignen soll, standardmäßig verschlüsselt und für alle Apple-Geräte ausgelegt wird – von der Apple Watch bis zum Mac Pro. Dateiattribute und die TRIM-Funktion sind nicht mehr Anhängsel wie bei HFS+, sondern integriert. Hinzu kommen Container, 64-Bit-Inode-Nummern, Dateistempelgenauigkeit im Nanosekundenbereich, Sparse Files oder auch der Copy-on-Write-Prozess, der das Dateisystem besser gegen Abstürze sichert. APFS wird nicht vor 2017 erwartet.

Apple hat macOS Sierra für MacBook- und iMac-Modelle ausgelegt, die ab Ende 2009 produziert wurden; MacBook Air, MacBook Pro, Mac mini und Mac Pro sind ab Baujahr 2010 geeignet. Eingetragene Entwickler können Beta-Versionen ab sofort ausprobieren. Die öffentliche Beta-Phase startet im Juli.

(dz@ct.de)

watchOS schneller, tvOS mit mehr Funktionen

Mit watchOS 3 will Apple seiner Computeruhr Beine machen. Lieblings-Apps landen nun in einem eigenen Dock, das man über die Seitentaste aufrufen kann. Diese Programme sind zudem umgehend startklar – sieben Mal schneller sollen sie auf dem Schirm sein. Auch erhalten sie Daten im Hintergrund und sind somit beim Aufruf aktuell. Es gibt diverse neue Ziffernblätter. Die Bedienung der Oberfläche wurde umgekrempelt, was vor allem zu flotterer Bedienung führen soll.

Künftig kann man per Activity Sharing Freunde zum Wettkampf herausfordern. Für Rollstuhlfahrer bietet die Fitness-App angepasste Bedienelemente. Die neue Breathe-App unterstützt bei Atemübungen. WatchOS 3 trägt außerdem auf das Display gezeichnete Worte in das Antwort-Feld der Nachrichten-App ein.

Apples Betriebssystem für die Apple-TV-4-Multimediabox, tvOS, wird überholt. Die Sprachassistentin Siri lernt neue Kommandos und durchforstet die Bibliothek im Nutzerauftrag nach TV-Folgen und Filmen. YouTube-Videos lassen sich per Sprachkommando suchen und starten, es gibt eine neue Fernbedienungs-App für iOS, die das iPhone zudem zum Spielecontroller für Apple TV 4 macht.

Das Interface erhielt einen Nachtmodus und es gibt diverse neue APIs für Entwickler. watchOS 3 und tvOS 10 sollen im Herbst fertig werden. (dz@ct.de)

iOS 10: Viele kleine Verbesserungen

Nur zwei von vielen neuen iOS-Funktionen: Die Telefon-App baut über WhatsApp VoIP-Verbindungen auf und Sprachnachrichten lassen sich zu Texten transkribieren.

Die nächste OS-Version für Apples Smartphones und Tablets, iOS 10, verspricht zahlreiche Optimierungen im Detail. Apple öffnet das API der Sprachassistentin Siri für Entwickler, die Fotos-App bekommt eine Gesichts- und Szenenerkennung, die Karten-App ein schöneres Interface inklusive Ortsdaten im Routing-Modus. Die Musik-App wird übersichtlicher, auch bei Apples Streaming-Dienst Music. Im neuen Downloaded-Ordner wird sichtbar, welche Songs lokal auf dem Gerät vorliegen.

Die neue Home-App fasst alle HomeKit-Funktionen zusammen, Geräte lassen sich mittels Szenen steuern. Viele iOS-10-Funktionen sind zudem über den Lockscreen erreichbar. Widgets ziehen aus der Tagesansicht in den Spotlight-Screen um. Die Telefon-App baut VoIP-Verbindungen auf, etwa über WhatsApp, und aufgezeichnete Sprachnachrichten (Voicemails) lassen sich zu Texten transkribieren.

Zahlreiche Detailverbesserungen bekommt die Nachrichten-App: Man kann Animationen und Effekte versenden und bei empfangenen Links blendet die App selbstständig die Inhalte der zugehörigen Web-Seiten ein. Entwickler können Erweiterungen für die Nachrichten-App schreiben. Dazu bekommt die Anwendung eine eigene Sektion im App Store. Als Beispiel nannte Apple die Tischreservierung per OpenTable. iOS 10 setzt mindestens ein iPhone 5 oder 5c, ein iPad 4, ein iPad mini 2 oder einen iPod touch 6G voraus und dürfte im Herbst 2016 fertig werden. (dz@ct.de)

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