c't 15/2016
S. 182
Spielekritik
Adventure
Aufmacherbild

Halluzinieren im Schnee

Es gibt wenige Virtual-Reality-Spiele, die mit so viel Vorschusslorbeeren dekoriert wurden wie Edge of Nowhere. Kein Wunder: Der Titel kommt vom renommierten Studio Insomniac Games, das schon seit über 20 Jahren solide Konsolenspiele wie Spyro the Dragon und Resistance entwickelt. Edge of Nowhere, Insomniacs erster Virtual-Reality-Titel, funktioniert ganz ähnlich wie die aktuellen Tomb-Raider-Reboots: Third-Person-Perspektive, exotische Schauplätze, abwechselnd klettern, schießen und schleichen. Statt einer jungen Archäologin in der Jetzt-Zeit spielt man den mittelalten Abenteurer Victor Howard in den dreißiger Jahren, der seiner Verlobten Ava Throne hinterherspürt – die ist bei einer Expedition in der Antarktis spurlos verschwunden.

Die Story ist angelehnt an die Horror-Kurzgeschichte „Berge des Wahnsinns“ von H. P. Lovecraft. Wie der Titel schon andeutet, gleitet der Spieler in Edge of Nowhere immer mehr in den Wahnsinn ab – oder sind die Halluzinationen am Ende doch echt? Man weiß es nicht genau, aber auf alle Fälle zog uns der langsame Übergang von malerischen Schneelandschaften in glitschige Protoplasma-Welten wunderbar ins Spiel hinein. Obwohl von den Machern als „Horror“ und „psychologischer Thriller“ deklariert, fanden wir Edge of Nowhere aber weniger nervenaufreibend als klassische Action-Adventures wie die Uncharted-Quadrologie oder die diversen Tomb Raiders. Wirklich gruselig wirds nie, von drei unbeholfenen Jump-Scare-Schockeffekten abgesehen.

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