c't 15/2016
S. 48
News
Apple

Streit zwischen Apple und Spotify eskaliert

Spotify will seine Abos lieber im Alleingang verkaufen, statt Apple zu beteiligen.

Seit Einführung des App Store regen große und kleine Entwickler sich regelmäßig über Apples Geschäftsbedingungen auf. Im jüngsten Fall fetzt sich ein ungewöhnlich prominentes Unternehmen, Spotify, mit Apple – und zwar heftig. Anfang Juli beschwerte sich Spotify darüber, dass Apples Prüfer das jüngste Update der Streaming-App nicht freigaben.

Apple habe das Update unter Verweis auf „Geschäftsmodellregeln“ abgelehnt, klagte die Musik-Firma in einem Schreiben an Apple, das auch US-Medien zugespielt wurde. Dies führe zu „ernsthaften Bedenken“ im Hinblick auf europäisches und US-amerikanisches Wettbewerbsrecht.

Spotify stört sich an Apples Umsatzbeteiligung, die sich auch auf den Verkauf von Abonnements in Apps erstreckt. Apps müssen dafür die Bezahlschnittstelle des iPhone-Herstellers verwenden. Apple kassiert dabei 30 Prozent des Umsatzes, ab dem zweiten Jahr 15 Prozent. Auf eine Abschlussmöglichkeit des Abos außerhalb der App darf nicht verwiesen werden.

Apple wehrte sich umgehend gegen die Vorwürfe der Schweden. Hausjurist Bruce Sewell schrieb in einer Stellungnahme, Apple verletze keine Wettbewerbsregeln – und Spotify verbreite „Gerüchte und Halbwahrheiten“.

„Unsere Richtlinien gelten gleichermaßen für alle App-Entwickler, egal ob sie Spiele-Entwickler, E-Book-Verkäufer, Videostreaming-Dienste oder Anbieter digitaler Musik sind; und sie gelten unabhängig davon, ob sie mit Apple konkurrieren oder nicht“, führte Sewell aus. Außerdem habe Apple seine Regeln nicht geändert, als man mit Apple Music zum direkten Konkurrenten von Spotify wurde.

Sewell verwies darauf, dass Apple seine Download-Plattform auch finanzieren müsse und dass der schwedische Dienst mit 160 Millionen Downloads seiner App „hunderte Millionen Dollar Umsatz“ gemacht habe. „Wir verstehen es so, dass Sie eine Sonderbehandlung und Schutz vor Wettbewerb wollen, aber wir werden uns einfach nicht darauf einlassen, weil wir fest zu dem Grundsatz stehen, alle Entwickler fair und gerecht zu behandeln.“

Spotify ist nach wie vor der Marktführer im Geschäft mit Musik-Streaming. Die Schweden haben rund 100 Millionen Nutzer, von denen gut 30 Millionen zahlende Abo-Kunden sind. Apple Music, das im Gegensatz zu Spotify keine Gratis-Version mit Werbung hat, kommt ein Jahr nach dem Start auf 15 Millionen Abo-Kunden.

(Leo Becker/Ben Schwan/cwo@ct.de)

Apple setzt auf lokale Bilderkennung

iOS 10 erkenne Objekte in Fotos – ohne den Nutzer auszuspionieren, betont Apple.

Nach der Vorstellung von iOS 10 hat Apple einige Details zum Thema Datenschutz verraten. Das für den Herbst erwartete Betriebssystem soll Gesichter, Objekte und Szenen in Fotos ausschließlich lokal erkennen statt in der Cloud, erklärte Apple. Die Analyse der Fotobibliothek erfolge nur, wenn das iPhone an einer Stromquelle hängt, um den Akku im Alltagsgebrauch nicht zu schnell leerzusaugen. Außerdem sollen zum „Training“ der Bilderkennung keinesfalls die in der iCloud-Fotomediathek der Nutzer gespeicherten Bilder herangezogen werden.

iOS 10 soll aber auch mehr Nutzerdaten sammeln als bisherige iOS-Versionen. Apple betont, dass das Betriebssystem erst sammele, wenn der Nutzer dem zugestimmt habe. Eine vollständige Liste der Daten gibt es noch nicht, aber Apple zufolge geht es unter anderem um die Analyse von Tastatureingaben in der Cloud, damit das Betriebssystem immer besser darin wird, während des Tippens passende Wörter und Emojis vorzuschlagen.

Die dabei gesammelten Daten will Apple durch das Konzept der „Differential Privacy“ schützen. Die Daten werden durch verschiedene Techniken derart manipuliert, dass sich zwar Nutzungsmuster – beispielsweise häufig getippte neue Begriffe – aus dem großen Datensatz erschließen lassen, eine Rückverfolgung auf das Verhalten eines einzelnen Nutzers aber unmöglich werden soll. (Leo Becker/cwo@ct.de)

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