c't 16/2016
S. 25
News
Prisma

Geliebter Filter

Die iPhone-App Prisma errechnet Bilder mit Methoden der künstlichen Intelligenz.

Die Foto-App Prisma erobert die iPhones der Welt. Der Entwickler Alexey Moiseenkov hat etwas geschafft, was lange niemandem gelungen ist: die Foto-Effekte von Instagram vom Thron der Beliebtheit zu stoßen. Statt Farben und Kontrast zu verfremden, arbeiten seine Filter mit künstlicher Intelligenz.

Moiseenkov arbeitete zuvor als Produktmanager beim russischen Dienst Mail.ru, der nun mit 2 Millionen US-Dollar an den Prisma Labs beteiligt ist. Seit Juni steht die Software im russischen App Store und verzeichnete innerhalb einer Woche 1,6 Millionen Downloads. Kurz darauf stürmte sie auch die deutschen Charts. Bisher gibt es sie nur fürs iPhone. In Kürze soll aber eine Android-Version erscheinen. Sie ist gratis. Moiseenkov plant, mit kostenpflichtigen Filtern Geld zu verdienen.

Statt Farbfilter anzuwenden, analysiert Prisma das Foto und bildet es aus Linien und Farbschemata nach. Die App verwendet dazu künstliche neuronale Netze für insgesamt 35 Stile. Einige erinnern an bekannte Künstler, zum Beispiel The Scream oder Mondrian. Andere nehmen auf die Form der stilbildenden Linien Bezug, etwa Wave, Curly Hair oder Mosaic. Die Intensität des Filters lässt sich per Schiebegeste graduell zurücknehmen. Das Resultat exportiert die App in der Auflösung 1080 × 1080 Pixel oder gibt sie an Facebook und Instagram weiter.

Ein Bild zu berechnen, dauert etwa fünf Sekunden und setzt eine Internet-Verbindung voraus, denn die künstliche Intelligenz arbeitet auf einem Server des Anbieters. Der Server speichert alle Bilder, die mit der App generiert wurden. Diese Methode setzen auch andere Anbieter ein, etwa Deepart.io, sie nährt allerdings Zweifel am Schutz der Privatsphäre.

Problematisch sind die Datenschutzrichtlinien des Unternehmens (prisma-ai.com/privacy). Prisma behält sich vor, Geodaten, Logfiles und anderes an nicht näher spezifizierte Partner weiterzugeben. Der Nutzer muss außerdem „weltweite, weiter veräußerbare“ Nutzungsrechte an den Fotos gewähren. Prisma darf die Fotos also nach Belieben bearbeiten, ausstellen oder für Werbezwecke verwenden. (akr@ct.de)

Kommentieren