c't 16/2016
S. 26
Prozessorgeflüster
Softbank

Prozessorgeflüster

Von Softbank und Superman

Brexit für ARM: Die britische Prozessorschmiede wird japanisch. Apples neuer Softbank-Prozessor A10 wirft seine Schatten voraus und der PC-Markt entwickelt sich besser als gedacht, nur nicht bei Apple mit den überalterten Macs.

Ein Hammer-Deal: Für 28 Milliarden Euro will die japanische Softbank das britische Prozessorhaus ARM kaufen. Das ist immerhin rund das 24-Fache des Jahresumsatzes, 43 Prozent über Aktienwert. Zum Vergleich: Beim größten deutschen Deal aller Zeiten, Vodafone schluckte Mannesmann, war es der Faktor 8,5.

Der Konzern empfahl seinen Aktionären, die Offerte anzunehmen. Noch ist die Wettbewerbsbehörde der EU gefordert, dem Deal im Noch-Mitgliedsstaat Großbritannien zuzustimmen, aber die hat wohl keinen Grund, die Übernahme abzulehnen. Softbank, die drittgrößte japanische Firma hinter Toyota und Mitsubishi, ist ja bislang überhaupt nicht im Halbleiter-Business tätig, sondern hauptsächlich auf dem Gebiet der Telekommunikation, hat vor drei Jahren für 21,6 Milliarden US-Dollar 80 Prozent von Sprint Nextel in den USA erworben.

Unsereins erinnert sich daran, dass Softbank mal im Jahre 2000 den Ziff-Davis-Verlag übernommen hatte, mit dessen Zeitschrift PC Professionell wir im freundschaftlichen Mitbewerb standen.

Nun muss sich zeigen, wie Länder wie China, das zum Nachbarland Japan ja nicht die allerbesten Beziehungen pflegt, und Großkunden wie Apple mit der neuen Situation umgehen.

Apropos Apple: Zwanzig Prozent mehr Pokémon-Monster – ja, ja, dieses Trendwort muss aus SEO-Gründen unbedingt hier hinein –, das sollte einem mit dem neuen A10-Prozessor im kommenden iPhone 7 wohl locker gelingen, jedenfalls wenn das Einfangen performanceabhängig ist. Diesen Zuwachs hat der Geekbench 3 ermittelt, dessen Single-Thread-Ergebnis irgendein netter User auf die chinesische Website weibo.com gepostet hat. Danach wäre das iPhone 7 mit A10-Prozessor mit 3000 Punkten etwa genauso schnell wie das iPad mit A9x. Zum Vergleich: Apple A9 im iPhone 6S Plus kommt auf 2534, Snapdragon 820 im OnePlus 3 auf 2316 Punkte. Qualcomms nagelneuer Snapdragon 821 soll etwa zehn Prozent schneller sein, also etwa auf A9-Niveau liegen.

Wo bleiben die Pros?

Und nochmals apropos Apple: Wo bleiben eigentlich die lange überfälligen neuen MacBook Pro und Mac Pro? Viele hatten sie zur WWDC 2016 erwartet, aber bis jetzt:  nada. Sollte Apple noch auf die neuen Polaris-Chips von AMD gewartet haben, dann müsste es jetzt ja so langsam losgehen. Oder will Apple die Mac-Pro-Linie wegen Erfolglosigkeit ganz einstellen?

Marktanteile PC-Hersteller Quelle: IDC

Fakt ist jedenfalls, dass die Macs insgesamt Marktanteile verloren haben. Laut IDC sind es weltweit mit nunmehr 4,42 Millionen Stück 8,3 Prozent weniger Verkäufe als im zweiten Quartal 2015. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass der PC-Markt in dieser Zeit insgesamt 4,5 Prozent verloren hat, was immerhin drei Prozentpunkte besser ist als vorhergesagt. Die direkten Konkurrenten wie HP Inc., Dell und Asus konnten gegen den Trend um 4 bis 5 Prozent zulegen.

In den USA siehts laut IDC deutlich besser aus als auf dem Weltmarkt; hier konnte sich der PC-Markt wieder um nahezu 5 Prozent berappeln – bis auf Apple, die bei den Top-5-Sellern mit einem Minus von 7,9 deutlich abfällt. Und wenn Apple mit einem neuen MacBook Pro nicht in die Strümpfe kommt, dann nutzen eben andere die Gunst der Stunde, etwa Dell.

Dells 60-Milliarden-Dollar-Zusammenschluss mit EMC ist nun in der Schlussphase. Von den ursprünglich mal 67 Milliarden ist allerdings wegen Kursschwankungen der Mega-Deal auf jetzt „nur noch“ 60 Milliarden zusammengeschrumpft. Die Abstimmung der EMC-Aktionäre findet kurz nach Redaktionsschluss statt, aber offenbar hat niemand die Absicht, hier eine Mauer zu bauen.

Bereits jetzt wurde schon der Global-Channel-Chef für die neue Dell-EMC nach dem Zusammenschluss benannt: John Byrne. Das ist ein gut bekannter Name – nein, ich meine nicht den amerikanischen Comic-Autor und Zeichner, der für die Neufassung des Superman verantwortlich war, sondern den langjährigen AMD-Verkaufschef. Dessen letzter Job bei AMD war auch der eines Superman, nämlich für das Business der Prozessoren und diskreten Grafikkarten zu sorgen.

Seit einem Jahr ist er jetzt bei Dell. Vielleicht hängt sein Herz noch an seinem alten Arbeitgeber und er legt sich dafür ins Zeug, dass die neue Dell-EMC sich intensiver mit dem Zen-Prozessor und den neuen AMD-Grafikchips beschäftigen wird, vielleicht auch mal wieder bei den Servern. Bei AMDs neuem Mobil-Chip Bristol Ridge ist Dell ja ebenso wie Lenovo, HP Inc. und Acer als Launch-Partner aufgetreten. (as@ct.de)

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