c't 17/2016
S. 32
News
Imagine Cup 2016

Virtuell heilen

VR-Anwendungen auf Microsofts Programmierwettbewerb Imagine Cup 2016

„Dream it. Build it. Live it.“– so lautet das Motto des Imagine Cup. Der weltweite Programmierwettbewerb für Studenten wird jährlich von Microsoft ausgerichtet. 2016 fand er bereits zum 14. Mal statt. Entwickeln mit der Unity-Engine, Virtual Reality und Wearables waren in diesem Jahr vorherrschende Themen.

Es waren spannende Tage für Alessa Dreixler und Tobias Heuer, die Deutschland beim diesjährigen Imagine Cup 2016 vertraten. Vom 26. bis zum 29. Juli nahmen sie mit ihrem Projekt VRMotion in Redmond am Finale des Programmierwettbewerbs teil. Weltweit hatten Studenten Projekte eingereicht, viele von ihnen waren in nationalen Wettkämpfen angetreten – am Ende flogen 35 Teams zum internationalen Finale.

Von rechts nach links: Corporate Vice President Steve Guggenheimer von Microsoft, Flavia Oprea, Cristian Alexandrescu und Iulian Matesica vom rumänischen Team ENTy und als Special Guest der Star-Wars-Schauspieler John Boyega.

Alessa Dreixler studiert Gesundheitsmanagement an der Hochschule Aalen. Sie hat sich um das Geschäftsmodell gekümmert. Tobias Heuer, Informatik-Student am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), entwickelte die VR-Anwendung, die Schlaganfallpatienten beim Wiedererlangen ihrer motorischen Fähigkeiten unterstützt. Hand- und Armbewegungen werden mit dem Leap Motion Controller aufgezeichnet und in die Anwendung projiziert; künftig könnte sich Heuer anstelle des kleinen, eigentlich zur Gestensteuerung gedachten Controllers auch eine Kinect vorstellen. VRMotion gibt differenziertes Feedback zum Trainingserfolg – so werden die Patienten motiviert und Fortschritte für den Therapeuten dokumentiert.

Alessa Dreixler und Tobias Heuer präsentieren ihre VR-Anwendung für Reha-Patienten vor der Jury.

Bei der Endausscheidung hatten die Teams jeweils 10 Minuten Zeit für ihre Präsentation vor vier Juroren aus Wissenschaft und Wirtschaft. Anschließend stellten sie sich weitere 20 Minuten den Fragen der Jury. Die Präsentation von Alessa Dreixler und Tobias Heuer lief gut. In der anschließenden Diskussion konzentrierten sich die Juroren dann sehr auf die Frage, ob nicht das Üben mit einem echten Ball einen stärkeren Trainingseffekt hätte als das Schieben und Werfen von virtuellen Klötzchen und Bällen in der mit Unity programmierten VRMotion-Umgebung. Am Ende reichte es für die beiden Deutschen leider nicht für einen der ersten drei Plätze in ihrer Wettbewerbskategorie „World Citizenship“.

In dieser Wettbewerbs-Kategorie geht es um gesellschaftliche Probleme, Gesundheitsförderung und Umweltschutz. Der 1. Platz ging an das Team AMANDA aus Griechenland für eine VR/AR-Umgebung, mit der die Neigung Jugendlicher zu Mobbing-Verhalten getestet und den Jugendlichen bewusst gemacht werden soll. Das Projekt ist nach Amanda Todd benannt – die kanadische Schülerin beging wegen Cyber-Mobbing Suizid.

Der 1. Platz in der Kategorie „Games“ ging an das Team aus Thailand für ihr Smartphone-Spiel „Timelie“, in dem der Spieler die Zeit manipulieren kann. In der „Innovations“-Kategorie siegte das Team ENTy aus Rumänien mit seinem gleichnamigen Wearable-System zur Diagnose von gestörtem Gleichgewichtssinn, unter anderem bei Parkinson-Patienten.

Chefsache

CEO Satya Nadella persönlich verkündete die Gewinner. Auch Steve Guggenheimer, Corporate Vice President Developer Experience Group, beglückwünschte die Studenten zu ihren Projekten. Alle Drittplatzierten erhalten 5000 US-Dollar, die zweiten Plätze sind mit 10 000 US-Dollar dotiert und die Sieger können sich über 50 000 US-Dollar freuen.

Die drei Erstplatzierten hatten schließlich die Chance auf den Titel des Imagine Cup Champions. Guggenheimer war auch dabei, als der Champion gekürt wurde, ebenso Microsofts Executive Vice President Judson Althoff. Beide richteten sehr persönliche Worte an die Anwesenden. Der Titel des Champions ging in diesem Jahr an das Team aus Rumänien und dessen medizinisches Diagnosesystem ENTy.

Erfolgsgeschichte(n)

Der erste Imagine Cup fand 2003 mit 2000 Teilnehmern aus 25 Ländern statt. Inzwischen haben insgesamt 1,8 Millionen Studenten teilgenommen. 2016 schafften es rund 500 in eine der 55 nationalen Vorentscheidungen. Einige ehemalige Teilnehmer haben sich inzwischen mit ihrem Projekt selbstständig gemacht, andere sind Mitarbeiter bei Microsoft. In dem Wettbewerb wird neben technischen Aspekten Wert auf einen realistischen Businessplan und eine professionelle Vorstellung der Projekte gelegt.

Die jungen Gewinner präsentierten sich in diversen Interviewterminen gewandt und selbstbewusst. Ein Mitglied des Games-Siegerteams aus Thailand antwortete auf die Frage, woher die Inspiration zu dem Projekt kam, dass er auf mehr als 20 Jahre Erfahrung als Gamer zurückblicke. Gefragt, was er aus dem diesjährigen Imagine Cup gelernt hat, antwortete Steve Guggenheimer: „Coding starts earlier these days.“ (akr@ct.de)

 

Die Kosten der Reise übernahm Microsoft.

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